Ausbildung in Nordthüringen
Wir müssen alle Register ziehen
Am vergangenen Freitag hat das neue Ausbildungsjahr begonnen, rund 2.700 junge Thüringer und Thüringerinnen starten in ihr Berufsleben. Beim Landesamt für Statistik sah man in Anbetracht der Zahlen Stagnation, die Industrie- und Handelskammer sprach von Stabilität. Fakt ist: es sind zu wenig Nachwuchskräfte…
"Müssen alle Register ziehen", Ausbildungsoffensive in Nordthüringen, v.l.: Christian Böduel und Ulrich Schlegel von der IHK (Foto: agl)
Die grobe Rechnung sieht wie folgt aus: wir haben in Thüringen aktuell noch rund 16.000 Schulabgänger pro Jahr, etwa die Hälfte zieht es zum Studium. Von denen, die noch eine Ausbildung machen, bricht rund ein Drittel wieder ab. Im selben Zeitraum gehen rund 30.000 Arbeitskräfte in Rente, sagt Unternehmer Ulrich Schlegel.
Abhilfe versucht man vor Ort unter anderem über den Firmenausbildungsverbund FAV zu schaffen und hat erfolgreich Kontakte in die Mongolei, nach Kasachstan und Kirgisien geknüpft. Angefangen hat das Projekt mit rund 30 Teilnehmern, inzwischen ist man bei über 100. Die Resonanz nimmt zu. Durch die enge Anbindung an die Goethe Institute vor Ort bekommen wir sehr gute und engagierte Leute, woran es noch ein wenig hapert sind Unternehmen, die sich auch trauen mitzumachen., berichtet Schlegel, der das Unterfangen für die Industrie- und Handelskammer (IHK) begleitet und im eigenen Haus über das Programm erfolgreich ausgebildet hat.
Ebenfalls gute Schule hat TiP gemacht, der Tag in der Praxis, eine Praktikumsoffensive die in Nordhausen geboren wurde und Schülerinnen und Schülern mehr praktisches Wissen und Einblicke in die Arbeitswelt vermittelt. Fehlgriffe und Abbrüche bei der Ausbildung sollen so vermieden werden, auch hier ist der Umfang der Bemühungen in den letzten Jahren explodiert, im Rest des Freistaates wird das Modell nachgeahmt, so Christian Böduel, Regionalleiter der IHK in Nordthüringen.
Trotz aller Bemühungen wird es in den kommenden Jahren dennoch eng werden für die regionale Wirtschaft, die Demographie spricht eine allzu deutliche Sprache. Weniger Arbeitskräfte heißt auch weniger Wirtschaftskraft und wie die Sache steht, müsse man alle Register ziehen, sagt Schlegel. Wenn wir kein Blatt vor den Mund nehmen dann müssen wir auch klar sagen: in vielen Fällen ist das Elternhaus entscheidend. Eine Ausbildung heißt von der Pike auf lernen und das ist nicht einfach, da darf man den Kindern nichts vormachen. Wenn das Elternhaus mitspielt und wir das Bildungsniveau nicht weiter herunterfahren, dann sind wir zum Erfolg verdammt. Wir können gar nicht anders., sagt der Unternehmer.
Auf die konkreten Ausbildungszahlen für Nordthüringen wartet man derweil noch gespannt, in der Übergangsphase zwischen Schule und Ausbildung sind belastbare Daten noch vielen Schwankungen unterworfen. In den kommenden Wochen sollte man aber Klarheit bekommen und vielleicht auch sehen können, ob die Kraftanstrengungen zum Ausbildungssprung ihr Ziel erreichen.
Angelo Glashagel
Autor: red
Kommentare
murmeltier
04.08.2025, 18:26 Uhr
Das Banner
Also, die hier abgebildeten Personen sollen die Azubis der Zukunft sein? Drei Personen sind dem Äußeren zufolge weiblicher Natur, die drei Männer sind dem Äußeren zufolge eher Personen mit Migrationshintergrund. Das ist mein Eindruck. Ist das ein Versehen der Verantwortlichen oder ist das so als Spiegelbild der Gesellschaft gewollt? Auf jeden Fall sehen die Verantwortlichen von IHK so die Zukunft in diesem Land. Toll!!!!
diskobolos
04.08.2025, 18:40 Uhr
Au wen wollen Sie denn verzichten, murmeltier?
Lieber auf die Frauen oder die Migranten?
Lesen Sie doch den Artikel noch einmal, dann sehen Sie, dass Thüringen jeden braucht, der eine Ausbildung absolviert . . .
marco-sdh
04.08.2025, 19:21 Uhr
Mach mal die Augen auf....
...wenn es keine deutschen Azubi-Bewerber mehr gibt, weil deren Eltern vor zwanzig Jahren in den Westen, Süden oder Nordwesten gegangen sind, weil es schon für diese keinen Bleibepersprektive mehr gab, woher sollen sie denn sonst kommen? Ein (biodeutscher) Neffe beendet nächstes Jahr seine Ausbildung als Elektriker. Die hat er seinen Eltern zuliebe hier gemacht. Danach gehts mit der Aussicht auf eine Festanstellung Richtung Hannover. "Was soll ich denn hier, alle meine Schulfreunde sind weg!" Wer wills ihm denn verdenken, und dabei spreche ich nicht einmal diese "Ich-mach-alles-mies-und-find-alles-scheiße"-Stimmung an. Von der hat er nämlich auch gesprochen.
Kobold2
04.08.2025, 19:25 Uhr
wenn man
Menschen nur nach dem Äusseren beurteilt, ist Einiges in der Ausbildung und im Leben schief gelaufen.
DonaldT
04.08.2025, 21:06 Uhr
Azubis
Wozu brauchen wir denn Azubis?, Merkel und Nachfolger haben doch genug Fachkräfte geholt.
Wie Bitte
05.08.2025, 06:55 Uhr
Wenn es im Artikel um zehntausende fehlende Arbeitskräfte geht -
- und alles, was den Kommentatoren auffällt UND sie stört (!) ist, dass die Personen auf dem Werbeplakat das falsche Geschlecht und die falsche Hautfarbe haben, dann verdienen sie die Remigrations- und Frauenpolitik des gesichert rechtsextremen Verdachtsfalles: lieber gar keine Lehrlinge als Mädchen oder generell Personen mit falschem Aussehen.
Die 1930er haben angerufen, sie wollen ihre Politik durchziehen.
diskobolos
05.08.2025, 09:12 Uhr
Wer soll schon in so eine Gegend investieren?
Junge Frauen werden tendenziell wegziehen (wie nach der Wende) und ausbildungswillige Migranten ebenso. Was hier bleiben wird, sind die dummen jungen Männer und die Alten. Und die Hoffnung, dass eine AFD-Regierung den Aufschwung schafft. Träumt weiter . . .
Mike Oxlong
05.08.2025, 09:28 Uhr
Diese Menschen...
Ihr fragt euch echt warum die Jugend abwandert und die Unternehmen keinen Nachwuchs finden in unserer tollen Region? Hat vielleicht was damit zu tun, wie viele Leute den Kommentar von nem Typen liken, der sich daran stört, dass die Menschen auf einem Plakat zu wenig arisch aussehen...
Ich bin wahrscheinlich einer der jüngsten, der hier kommentiert aber selbst als ich noch jünger war, mussten sich die Menschen für solche Aussagen rechtfertigen und zurecht schämen. Wenn sowas heute Beifall gibt, dann gute Nacht für den Osten.
Schröder
05.08.2025, 10:19 Uhr
Eine Überlegung wert
Über 210.000 junge Deutsche verlassen jährlich unser Land , im Alter von 20 bis 40 Jahren.
Wo bitte sollen dann Auszubildende her kommen ?
Die Politik sollte sich deshalb fragen ,warum das so ist.
Ein weiterer Punkt ist, das die Gehälter in Thüringen im bundesweiten Vergleich eher im unteren Bereich liegen. Selbst wenn eine Ausbildung erfolgreich abgeschlossen wird,
heist das noch lange nicht ,das die berufliche Zukunft in Thüringen ist.
Herb
05.08.2025, 10:26 Uhr
Der "Tag in der Praxis"............
ist nicht auf dem Mist von Nordhäusern gewachsen. Den gab es schon in der DDR und hieß
UTP, " Unterricht in der Produktion"
Meint Herb
murmeltier
Mag ja sein, dass das Bild choreogrfiert wurde. Aber wo ist das Problem, dass in einem Autohaus Frauen arbeiten oder ausgebildet werden? Das war doch schon immer so. Sehr seltsame Aussage. Wie stehen sie eigentlich zum Frauenwahlrecht? Ich bin froh, dass die Einwanderungspolitik gerade eine andere Richtung einschlägt. Es sollten nur wirklich Schutzbedürftige aufgenommen werden. Keine Wirtschaftsflüchlinge und über die notwendige Arbeitseinwanderung befindet Deutschland. Aber was haben sie gegen junge Personen mit Migrationshintergrund, die sich entschlossen haben, eine Ausbildung anzutreten? Klar gabe es vor 10 Jahren die Propagandashow mit der sogenannten Peter Klasse. Das waren andere Zeiten.
Man könnte glauben, dass sie schon einige Zeit in Rente sind und keinen blassen Schimmer davon haben, wie viel Ausländer auch hier schuften, weil sich viele Menschen, auch Biodeutsche, vor der Arbeit drücken und lieber Bürgergeld beziehen.
Kobold2
05.08.2025, 11:00 Uhr
nicht nur Reaktionen
auf den Eingangskommentar zeigen, warum der Landkreis im Prognos Zukunftsatlas da steht, wo er steht.
Parallel zur Überschrift müssen hier viele erst einmal ihr rückständiges, vorurteilsbehaftetes Weltbild überwinden. Dann könnte es etwas mit der Zukunft werden.
Bodo Bagger
05.08.2025, 12:11 Uhr
@Schröder... deshalb Mauer Jetzt!
um den Diebstahl unserer Fachkräfte durch das imperialisitische Ausland zu beenden ist der Bau eines antiimperialistischen Schutzwalles oberste Demokratenpflicht.
P.Burkhardt
05.08.2025, 15:38 Uhr
Ähm Bodo...
..."Diebstahl unserer Fachkräfte durch das imperialistische Ausland" ? Der einzige Imperialist weit und breit sitzt derzeit in Moskau.... und wen es dahin zieht... bitteschön, gute Reise !
Tatsächlich ist es doch eine Erungenschaft, dass junge (und auch alte) Leute selbst entscheiden dürfen, wo sie leben und arbeiten wollen.
Das Thüringen nicht so attraktiv für Auswärtige ist, liegt wohl an dem vorherrschenden Fremdenhass, der aufgrund der Wahlergebnisse weithin bekannt ist, weswegen sich auch keine Industrie ansiedeln will. Ein selbst gestalteter Teufelskreis... die verbohrten Generationen müssen erstmal aussterben, bevor es voran gehen kann... ändern werden wir diese Menschen nicht.
altmeister
05.08.2025, 19:44 Uhr
Ursachen?
Da in einigen Kommentaren die Schuld an Abwanderung, demografischen Wandel, Fachkräftemangel u.a. in Fremdenfeindlichkeit gefunden zu sein scheint möchte ich in den Raum stellen, dass 10 Jahre lang eine Regierung unter der Führung der "Linke" Partei, von 2014 bis 2024, die Richtung, die Rahmenbedingungen und Ziele, den Weg und Umgang usw. bestimmt haben.
Ist es nicht so, dass eine Regierung Verantwortung trägt und an ihren Erfolgen oder Fehlern gemessen werden sollte?
Natürlich ist es bequem und lenkt gut ab bei eigenen Fehlern oder sogar Versagen diese dem politischen Gegner zuzuschreiben, das widerspricht allerdings den tatsächlichen Zuständigkeiten, Gestaltungs- und Einflussmöglichkeiten.
Meiner Meinung nach sind die Thüringer nicht fremdenfeindlicher als die Bewohner anderer Bundesländer, vielleicht aber äußern sie eher Bedenken?
Da kommt wieder die Regierung ins Spiel, die auf solche Bedenken reagieren, Lösungen finden, für Sicherheit sorgen, Vertrauen möglich machen sollte!
diskobolos
05.08.2025, 22:10 Uhr
Ach DonaldT,
sie wissen schon, dass man Asylgewährung, Migration und die Anwerbung von Fachkräfte unterscheiden muss. Nur die letzteren wurden tatsächlich aktiv hergeholt, z. B. ausgebildete Pflegekräfte aus Brasilien.
Die anderen kommen von allein, oft unter Lebensgefahr. In der Regel haben sie nachvollziehbare Gründe ihre Heimat zu verlassen. Es gibt leider Länder in der Welt, in denen ein menschenwürdiges Leben kaum möglich ist. Wer das nicht sehen will, beweist seinen Hang zum Zynismus.
Kobold2
06.08.2025, 12:26 Uhr
Meinung vs. Realität
oder Fremdenfeindlichleit vs. "Bedenken".
Die Anführungszeichen sind absichtlich gewählt, weil ich darin eine nette Umschreibung und Verharmlosung sehe. Man braucht nur den Eingangskommentar, samt den Reaktionen sehen, oder das hyänenartige darüberherfallen, wenn mal ein Migrant eine OW oder Straftat begangen hat, oder die zahlreichen Versuche Missstände und Unzufriedenheit, möglichst mit Migranten in Verbindung zu bringen, oder die "ganz tollen" Kommentare über Einbürgerungen, also Menschen, die festgelegte Standarts erfüllen, sich integriert haben, für ihren Lebensunterhalt selbst aufkommen Steuern zahlen und der Gesamtgesellschaft nicht auf der Tasche liegen. Da stößt man sich schulterklopfend an einem Plakat mit Menschen nicht arischem Aussehens, Menschen die noch gar nicht hier sind und die man folglich noch gar nicht getroffen hat, zu vielen Schaupielern mit Migrationshintergrund bei in Deutschland spielenden Fernsehfilmen, "zu vielen" Ausländern im Alltagsbild, oder im Eiskaffe, oder ÖNPV.... Ganz toll sind auch die Kommentare zu Geschäftseröfnungen, nebst den Unterstellungen von Migranten. Wenn aus erster Hand berichtet wird, das Migranten lieber nicht nach Thüringen möchten, ist ja der Berichterstatter das Problem....... aber man hat ja nur "Bedenken".
Kommentar hinzufügen
Es gibt kein Recht auf Veröffentlichung.
Beachten Sie, dass die Redaktion unpassende, inhaltlose oder beleidigende Kommentare entfernen kann und wird.