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Ausbildung in Nordthüringen

Wir müssen alle Register ziehen

Montag, 04. August 2025, 18:00 Uhr
Am vergangenen Freitag hat das neue Ausbildungsjahr begonnen, rund 2.700 junge Thüringer und Thüringerinnen starten in ihr Berufsleben. Beim Landesamt für Statistik sah man in Anbetracht der Zahlen Stagnation, die Industrie- und Handelskammer sprach von Stabilität. Fakt ist: es sind zu wenig Nachwuchskräfte…

"Müssen alle Register ziehen", Ausbildungsoffensive in Nordthüringen, v.l.: Christian Böduel und Ulrich Schlegel von der IHK (Foto: agl) "Müssen alle Register ziehen", Ausbildungsoffensive in Nordthüringen, v.l.: Christian Böduel und Ulrich Schlegel von der IHK (Foto: agl)

„Die grobe Rechnung sieht wie folgt aus: wir haben in Thüringen aktuell noch rund 16.000 Schulabgänger pro Jahr, etwa die Hälfte zieht es zum Studium. Von denen, die noch eine Ausbildung machen, bricht rund ein Drittel wieder ab. Im selben Zeitraum gehen rund 30.000 Arbeitskräfte in Rente“, sagt Unternehmer Ulrich Schlegel.

Abhilfe versucht man vor Ort unter anderem über den „Firmenausbildungsverbund“ FAV zu schaffen und hat erfolgreich Kontakte in die Mongolei, nach Kasachstan und Kirgisien geknüpft. Angefangen hat das Projekt mit rund 30 Teilnehmern, inzwischen ist man bei über 100. „Die Resonanz nimmt zu. Durch die enge Anbindung an die Goethe Institute vor Ort bekommen wir sehr gute und engagierte Leute, woran es noch ein wenig hapert sind Unternehmen, die sich auch trauen mitzumachen.“, berichtet Schlegel, der das Unterfangen für die Industrie- und Handelskammer (IHK) begleitet und im eigenen Haus über das Programm erfolgreich ausgebildet hat.

Ebenfalls gute Schule hat „TiP“ gemacht, der „Tag in der Praxis“, eine Praktikumsoffensive die in Nordhausen geboren wurde und Schülerinnen und Schülern mehr praktisches Wissen und Einblicke in die Arbeitswelt vermittelt. Fehlgriffe und Abbrüche bei der Ausbildung sollen so vermieden werden, auch hier ist der Umfang der Bemühungen in den letzten Jahren explodiert, im Rest des Freistaates wird das Modell nachgeahmt, so Christian Böduel, Regionalleiter der IHK in Nordthüringen.

Trotz aller Bemühungen wird es in den kommenden Jahren dennoch eng werden für die regionale Wirtschaft, die Demographie spricht eine allzu deutliche Sprache. Weniger Arbeitskräfte heißt auch weniger Wirtschaftskraft und wie die Sache steht, müsse man alle Register ziehen, sagt Schlegel. „Wenn wir kein Blatt vor den Mund nehmen dann müssen wir auch klar sagen: in vielen Fällen ist das Elternhaus entscheidend. Eine Ausbildung heißt von der Pike auf lernen und das ist nicht einfach, da darf man den Kindern nichts vormachen. Wenn das Elternhaus mitspielt und wir das Bildungsniveau nicht weiter herunterfahren, dann sind wir zum Erfolg verdammt. Wir können gar nicht anders.“, sagt der Unternehmer.

Auf die konkreten Ausbildungszahlen für Nordthüringen wartet man derweil noch gespannt, in der Übergangsphase zwischen Schule und Ausbildung sind belastbare Daten noch vielen Schwankungen unterworfen. In den kommenden Wochen sollte man aber Klarheit bekommen und vielleicht auch sehen können, ob die Kraftanstrengungen zum Ausbildungssprung ihr Ziel erreichen.
Angelo Glashagel
Autor: red

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