Di, 07:35 Uhr
22.07.2025
Spannende Fakten zum heutigen Welttag des Gehirns
Was wissen wir über unser Gehirn?
Mehr als 100 Milliarden Nervenzellen steuern unsere Bewegung, unsere Sprache, unser Denken und Fühlen. Die Steuerzentrale dafür ist das Gehirn, eines der komplexesten und wichtigsten Organe im menschlichen Körper...
Der Welttag des Gehirns (World Brain Day) wird jährlich am 22. Juli gefeiert. Er wurde von der World Federation of Neurology (WFN) initiiert, um auf die Wichtigkeit der Gehirngesundheit sowie das Bewusstsein für neurologische Erkrankungen aufmerksam zu machen.
Ein Gespräch mit Prof Christian Geis, Direktor der Klinik für Neurologie am Uniklinikum Jena.
Weil gerade Sommer ist: Was macht große Hitze mit unserem Gehirn?
Prof. Geis: Bei großer Hitze wird unser Gehirn stärker belastet, Folgen sind Konzentrationsprobleme, Kopfschmerzen und Müdigkeit. Bei einer längeren starken Überhitzung des Kopfes und der Hirnhäute droht ein Sonnenstich. Zur Behandlung gehören: Kühlung, Ruhe und Flüssigkeitszufuhr.
In schweren Fällen kann sich das Bewusstsein eintrüben, dann ist auch eine stationäre Behandlung notwendig.
Zudem hat das Wetter allgemein Einfluss auf das Schlaganfallrisiko. Eine Studie meines Jenaer Neurologie-Kollegen PD Dr. Florian Rakers kam zu dem Ergebnis, dass Schlaganfälle nach plötzlichen Temperaturschwankungen häufiger auftreten. Möglicherweise ziehen sich dann die Blutgefäße im Körper zusammen, um vor dem Auskühlen zu schützen. Außerdem treten häufiger Blutgerinnsel auf, damit steigt das Risiko für einen Schlaganfall. Diabetiker und Patienten mit Arterienverkalkung sind besonders gefährdet.
Wie altert unser Gehirn?
Unser Gehirn ist natürlich auch von Alterungsprozessen betroffen. Dabei ist es wichtig zu wissen, dass sich Nervenzellen im Gegensatz zu anderen Körperzellen nicht teilen. Das heißt, es kommt im Gehirn bis auf wenige Bereiche nicht zu einer Neubildung von Nervenzellen. Daher ist es wichtig, die Nervenzellen, die wir haben, zu schützen.
Im klinischen Alltag sind für uns natürlich die altersassoziierten Erkrankungen besonders relevant, die mit der zunehmend alternden Gesellschaft immer mehr werden: Dazu zählen zum Beispiel Parkinson, Demenzerkrankungen oder degenerative Erkrankungen im neuromuskulären Bereich wie die Amyotrophe Lateralsklerose, kurz ALS.
In unserem neuen, gerade eröffneten Forschungsgebäude CeTraMed, welches eines der modernsten Forschungsgebäude in Thüringen ist, arbeiten Wissenschaftler an der Entschlüsselung von solchen Alterserkrankungen, um neue Formen der Diagnostik und Therapie zu entwickeln.
Die Forschung schreitet hier insgesamt rasant voran, die ersten wirksamen Therapien bei der sehr frühen Alzheimer Erkrankung sind in Sicht. In unserem Gedächtniszentrum bereiten wir uns bereits darauf vor, diese Antikörpertherapien bei Patienten, die sich in einem sehr frühen Stadium der Erkrankung befinden, einsetzen zu können.
Wie können wir unser Gehirn gesund und fit halten?
Mit zunehmenden Lebensjahren verliert der Mensch immer mehr Nervenzellen, die Hirn- und Gedächtnisleistung nimmt langsam ab. Aber wir können unser Gehirn trainieren, selbst im Alter. Zwei einfache Tipps:
Tipp 1:
Sozial aktiv bleiben: Ob Wandern in der Gruppe, regelmäßige Spieleabende, der Besuch von Veranstaltungen – Geselligkeit in jeder Form ist gut für den Kopf, besonders in Verbindung mit Bewegung.
Tipp 2:
Etwas Neues lernen: zum Bespiel ein neues Instrument oder eine neue Sprache. Der positive Effekt: So werden die grauen Zellen trainiert.
Wie steht es um die weit verbreitete Annahme, wir würden nur 10 Prozent unserer Gehirnkapazität nutzen?
Große Teile des Gehirns sind nicht dauerhaft im Einsatz beziehungsweise unser Gehirn ist gewissermaßen spezialisiert oder anders formuliert: Verschiedene Gehirnbereiche sind für unterschiedliche Aufgaben verantwortlich. Wir haben also Reserven und nennen das Plastizität des Gehirns - die Fähigkeit also, sich strukturell und funktionell zu verändern, um sich an neue Situationen anzupassen. Ein besonders eindrückliches Beispiel: Wir sehen bei Patienten nach kompletten einseitigen Kleinhirninfarkten mit schwerwiegender Bewegungs- und Gleichgewichtsstörung, dass schon nach wenigen Tagen bis Wochen die Funktion von einem anderen Teil des Kleinhirns übernommen wird. Es gibt zwar keine neuen Zellen, aber die vorhandenen Nervenzellen können durchaus durch Verbindungen und neue Interaktionen untereinander solche Plastizitätsvorgänge übernehmen, um ausgefallene Bereiche zu kompensieren.
Welche wegweisenden Neuerungen oder Therapieansätze gibt es aktuell in der Neurologie?
Wir haben jetzt viel über degenerative neurologische Erkrankungen gesprochen. Aber gerade im Bereich der chronisch entzündlichen neurologischen Gehirnerkrankungen wie der Multiplen Sklerose oder immunvermittelten Hirnentzündungen ist in den letzten 10 bis 15 Jahren ein großer Fortschritt zu verzeichnen. Wir haben inzwischen schon weitreichende Erkenntnisse zum Verständnis dieser autoimmunen Gehirnentzündungen gefunden und Mechanismen aufgedeckt und können mittlerweile hochwirksame Therapien für einen Großteil dieser Patienten anbieten. Weiterhin führen wir innovative Therapiestudien durch und haben in der Neurologie besondere Strukturen zur Diagnostik und Therapie implementiert. Für unsere Patienten hat das einen enormen Nutzen.
Autor: redDer Welttag des Gehirns (World Brain Day) wird jährlich am 22. Juli gefeiert. Er wurde von der World Federation of Neurology (WFN) initiiert, um auf die Wichtigkeit der Gehirngesundheit sowie das Bewusstsein für neurologische Erkrankungen aufmerksam zu machen.
Ein Gespräch mit Prof Christian Geis, Direktor der Klinik für Neurologie am Uniklinikum Jena.
Weil gerade Sommer ist: Was macht große Hitze mit unserem Gehirn?
Prof. Geis: Bei großer Hitze wird unser Gehirn stärker belastet, Folgen sind Konzentrationsprobleme, Kopfschmerzen und Müdigkeit. Bei einer längeren starken Überhitzung des Kopfes und der Hirnhäute droht ein Sonnenstich. Zur Behandlung gehören: Kühlung, Ruhe und Flüssigkeitszufuhr.
In schweren Fällen kann sich das Bewusstsein eintrüben, dann ist auch eine stationäre Behandlung notwendig.
Zudem hat das Wetter allgemein Einfluss auf das Schlaganfallrisiko. Eine Studie meines Jenaer Neurologie-Kollegen PD Dr. Florian Rakers kam zu dem Ergebnis, dass Schlaganfälle nach plötzlichen Temperaturschwankungen häufiger auftreten. Möglicherweise ziehen sich dann die Blutgefäße im Körper zusammen, um vor dem Auskühlen zu schützen. Außerdem treten häufiger Blutgerinnsel auf, damit steigt das Risiko für einen Schlaganfall. Diabetiker und Patienten mit Arterienverkalkung sind besonders gefährdet.
Wie altert unser Gehirn?
Unser Gehirn ist natürlich auch von Alterungsprozessen betroffen. Dabei ist es wichtig zu wissen, dass sich Nervenzellen im Gegensatz zu anderen Körperzellen nicht teilen. Das heißt, es kommt im Gehirn bis auf wenige Bereiche nicht zu einer Neubildung von Nervenzellen. Daher ist es wichtig, die Nervenzellen, die wir haben, zu schützen.
Im klinischen Alltag sind für uns natürlich die altersassoziierten Erkrankungen besonders relevant, die mit der zunehmend alternden Gesellschaft immer mehr werden: Dazu zählen zum Beispiel Parkinson, Demenzerkrankungen oder degenerative Erkrankungen im neuromuskulären Bereich wie die Amyotrophe Lateralsklerose, kurz ALS.
In unserem neuen, gerade eröffneten Forschungsgebäude CeTraMed, welches eines der modernsten Forschungsgebäude in Thüringen ist, arbeiten Wissenschaftler an der Entschlüsselung von solchen Alterserkrankungen, um neue Formen der Diagnostik und Therapie zu entwickeln.
Die Forschung schreitet hier insgesamt rasant voran, die ersten wirksamen Therapien bei der sehr frühen Alzheimer Erkrankung sind in Sicht. In unserem Gedächtniszentrum bereiten wir uns bereits darauf vor, diese Antikörpertherapien bei Patienten, die sich in einem sehr frühen Stadium der Erkrankung befinden, einsetzen zu können.
Wie können wir unser Gehirn gesund und fit halten?
Mit zunehmenden Lebensjahren verliert der Mensch immer mehr Nervenzellen, die Hirn- und Gedächtnisleistung nimmt langsam ab. Aber wir können unser Gehirn trainieren, selbst im Alter. Zwei einfache Tipps:
Tipp 1:
Sozial aktiv bleiben: Ob Wandern in der Gruppe, regelmäßige Spieleabende, der Besuch von Veranstaltungen – Geselligkeit in jeder Form ist gut für den Kopf, besonders in Verbindung mit Bewegung.
Tipp 2:
Etwas Neues lernen: zum Bespiel ein neues Instrument oder eine neue Sprache. Der positive Effekt: So werden die grauen Zellen trainiert.
Wie steht es um die weit verbreitete Annahme, wir würden nur 10 Prozent unserer Gehirnkapazität nutzen?
Große Teile des Gehirns sind nicht dauerhaft im Einsatz beziehungsweise unser Gehirn ist gewissermaßen spezialisiert oder anders formuliert: Verschiedene Gehirnbereiche sind für unterschiedliche Aufgaben verantwortlich. Wir haben also Reserven und nennen das Plastizität des Gehirns - die Fähigkeit also, sich strukturell und funktionell zu verändern, um sich an neue Situationen anzupassen. Ein besonders eindrückliches Beispiel: Wir sehen bei Patienten nach kompletten einseitigen Kleinhirninfarkten mit schwerwiegender Bewegungs- und Gleichgewichtsstörung, dass schon nach wenigen Tagen bis Wochen die Funktion von einem anderen Teil des Kleinhirns übernommen wird. Es gibt zwar keine neuen Zellen, aber die vorhandenen Nervenzellen können durchaus durch Verbindungen und neue Interaktionen untereinander solche Plastizitätsvorgänge übernehmen, um ausgefallene Bereiche zu kompensieren.
Welche wegweisenden Neuerungen oder Therapieansätze gibt es aktuell in der Neurologie?
Wir haben jetzt viel über degenerative neurologische Erkrankungen gesprochen. Aber gerade im Bereich der chronisch entzündlichen neurologischen Gehirnerkrankungen wie der Multiplen Sklerose oder immunvermittelten Hirnentzündungen ist in den letzten 10 bis 15 Jahren ein großer Fortschritt zu verzeichnen. Wir haben inzwischen schon weitreichende Erkenntnisse zum Verständnis dieser autoimmunen Gehirnentzündungen gefunden und Mechanismen aufgedeckt und können mittlerweile hochwirksame Therapien für einen Großteil dieser Patienten anbieten. Weiterhin führen wir innovative Therapiestudien durch und haben in der Neurologie besondere Strukturen zur Diagnostik und Therapie implementiert. Für unsere Patienten hat das einen enormen Nutzen.
