Wie sich Augenzeugen nach dem Mordfall in Bad Langensalza fühlen
Nachwehen eines grauenvollen Nachmittags
Am vergangenen Mittwoch erschütterte die kleine Thüringer Kurstadt Bad Langensalza eine bis dato unvorstellbare, brutale Bluttat. Ein Mann wurde bei einer Auseinandersetzung zwischen zwei verfeindeten Gruppen durch einen Messerstich tödlich verletzt. Die uhz sprach mit Augenzeugen und Ersthelfern …
li. Stefanie Probul; Katrin Jäckel haben den Messerangriff unmittelbar miterlebt (Foto: Eva Maria Wiegand)
Schauplatz des kriminellen Ereignisses war der Augustinerplatz in Bad Langensalza, wo sich die Sommerterrasse des Eis Café & Bistro Zur Auszeit befindet. Trotz sehr heißen Sommerwetters hatten es sich einige Gäste auf dem Freisitz bequem gemacht. Kellnerin Katrin Jäckel wollte gerade Kunden bedienen, als eine Gruppe von ca. zehn Männern äußerst lautstark und gewaltätig aufeinander losging.
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Es kam zu Beleidigungen und die Situation eskalierte. Ohne Rücksicht auf die anderen Gäste flogen Blumentöpfe, Stühle, Gläser, Blumenvasen durch die Gegend. Reizgas wurde versprüht und die Servicekraft Katrin war mittendrin. Sprühnebel traf ihre Stirn und die Haut fing durch die Reizung sofort stark zu brennen an. Mit tränenden Augen und nicht fähig sich zu bewegen, musste sie zusehnen, wie ein junger Mann plötzlich blutend zusammensackte.
Schließlich, aus der Schockstarre erwacht, eilte sie gemeinsam mit der Besitzerin des Cafés Stefanie Probul und dem Nachbarn Maik Dollhofer aus dem Restaurant Zur Weintraube zu dem am Boden liegenden Schwerstverletzten.
Die Schreie der Menschen und das Geschehen drang bloß noch gedämpft zu ihr hindurch. Sie sah ausschließlich nur noch den Verletzten.
Der ausgebildete Sanitäter Maik Dollhofer versuchte die Blutung der Wunde zu stoppen. Katrin Jäckel hielt den Kopf des nach Luft ringenden Opfers und versuchte ihn zu beruhigen.
Seine panischen Augen werde ich nie wieder vergessen, erklärt Jäckel und versucht die Fassung zu behalten. Stefanie Pobul, Inhaberin des Eis Café & Bistro Zur Auszeit, kümmerte sich unterdessen im Inneren des Cafés um ihren kleinen Neffen, der die Tat mit ansehen musste.
Schnell waren alle verfügbaren Rettungskräfte vor Ort und sperrten den Tatort weiträumig ab, was einige Sensationslustige nicht davon abhielt, noch schnell ein Foto des Opfers zu machen und es anschließend zu posten, beschreibt Stefanie Pobul fassungslos.
Das, was wir erleben mussten, kennen wir sonst nur aus Filmen. Doch, wenn du Teil einer solchen Katastrophe bist, dann sieht das ganz anders aus, beschreibt Katrin Jäckel. Ein so junger Mann wurde abrupt aus dem Leben gerissen.
Den Verletzten konnte sie nicht retten. Er starb an den Folgen des Messerangriffs. Was er für eine Rolle in diesem Streit gespielt hat, wissen die beiden Frauen aus dem Eiscafé nicht.
Aber, dass nicht nur ein Opfer zu beklagen ist, sondern auch alle unschuldig Beteiligten Schaden davongetragen haben, das möchten sie am liebsten herausschreien.
Stefanie Probul und Katrin Jäckel sind schockiert und wütend über unsachgemäße Erzählungen, krude Behauptungen sowie Verdächtigungen, die in der Stadt kursieren.
Sie möchten klarstellen:
Der Streit, hat nicht wie in manchen Medien behauptet, in unseren Räumen begonnen, sondern draußen im Freisitz.
Weil wir nicht auf einen Tatortreiniger hoffen konnten haben wir die Blutlachen selbst weggewischt.
Wir haben geschäftlich nichts mit den Betreibern des Barbershops zu tun.
Wir freuen uns, wenn sich jemand nach unserem Befinden erkundigt.
Wir freuen uns aber nicht, wenn ständig Neugierige von uns einen Tathergang hören möchten, den wir aus ermittlungstechnischen Gründen nur der Polizei geben können.
Wir bedanken uns bei den Helfern des Interventionsteams der Polizei für ihre seelsorgerische Unterstützung und für die tröstenden Worte unseres Bürgermeisters Mathias Reinz.
Nun wünschen wir uns nur noch, dass unsere Gäste bald alle wiederkommen und sie keine Angst mehr haben. Unsere Geschäftsgrundlage steht auf dem Spiel und wir wollen als ohnehin schon Leidtragende nicht auch noch unsere Existenz verlieren, sagt Stefanie Pobul der uhz.
Bis am Augustinerplatz wieder Normalität eintritt, wird sicherlich noch etwas Zeit vergehen. Der Barbershop, der Ausgangspunkt der gewalttätigen Attacke war, bleibt vorerst geschlossen und wurde von der Staatsanwaltschaft versiegelt. Bleibt zu wünschen, die Behörden können das Verbrechen möglichst schnell aufklären und die Täter ihrer gerechten Strafe zuführen. Eva Maria Wiegand