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Mi, 19:15 Uhr
27.08.2025
Bürgermeister Reinz verteidigt unpopuläre Entscheidung

„Einsparungen bei freiwilligen Leistung sind nötig“

Heiß diskutiert wird derzeit in Bad Langensalza die Zukunft des jährlich stattfindenden Mittelalterstadtfestes. In einem Pressegespräch verteidigte Bürgermeister Matthias Reinz heute Nachmittag den geplanten Zweijahresturnus für die Veranstaltung …

Alle Hände voll zu tun: Bürgermeister Matthias Reinz an seinem Schreibtisch im Langensalzaer Rathaus (Foto: Eva Maria Wiegand) Alle Hände voll zu tun: Bürgermeister Matthias Reinz an seinem Schreibtisch im Langensalzaer Rathaus (Foto: Eva Maria Wiegand)


Eine kurzfristig anberaumte Pressekonferenz im Rathaus nutzte der Verwaltungschef heute Nachmittag, um noch einmal zu verdeutlichen, wie er zur Absetzung des Festes für das nächste Jahr gekommen ist. „Es handelt sich beim Mittelalterstadtfest um eine freiwillige Leistung der Stadt und die muss sich die Kommune auch leisten können“, führte er aus. „Das kann sie aber nicht mehr. Eine Steuerungsgruppe aus Stadträten hat im Zuge der Haushaltskonsolidierungsmaßnahmen alle Veranstaltungen für 2025 überprüft und für wichtig und nicht einsparbedürftig gehalten. Das gilt aber nicht mehr für das Jahr 2026. Wir müssen sparen, sonst bekommen wir es mit der Kommunalaufsicht zu tun.“

Und Reinz macht deutlich, wo er den Rotstift ansetzen wird. „Die freiwilligen Leistungen stehen alle zur Debatte und wir werden in den nächsten Wochen noch über ganz andere Dinge zu beraten haben als über das Mittelalterstadtfest“, blickte er in eine finanziell düstere Zukunft. „Auch die Kita-Landschaft der Stadt und die Ausstattung von Sportstätten und Bürgerhäusern werden auf den Prüfstand gestellt.“

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Das beliebte Stadtfest, das am Wochenende seine 31. Auflage erlebt, geriet in den Fokus, weil es seit Jahren rote Zahlen schreibt. Waren die Verluste in den Jahren von Corona noch verschmerzbar, so hat sich die Situation im Kostenbereich heute drastisch verändert. Über 60.000 Euro minus spielte das Fest seit 2017 jährlich ein. Den Vorwurf seiner Kritiker, er betreibe mit den aufgelaufenen, aber nicht gebuchten Ausgaben eine Negativkosmetik der Kosten, will Matthias Reinz nicht gelten lassen und präsentiert exakt aufgelistet die anfallenden Kosten der Feuerwehr zum Fest, die sich auf 13.100 Euro jährlich summieren.
Zweiter heftiger Kritikpunkt waren die Leistungen für das Verwaltungspersonal am Festwochenende, die mit 35.200 Euro zu Buche schlagen. Das seien alles realistische Überstunden der städtischen Angestellten, die für die beiden Festtage anfallen. Ein Aufruf an die Vereine der Stadt zur personellen Hilfe blieb dagegen wirkungslos. Es sei doch aber ein Fest der Stadt, argumentierte der Bürgermeister, da müsse es doch auch im Interesse der Bürger sein mitzuhelfen und sich ehrenamtlich zu beteiligen.

Verstörend sind die extremen Einnahme-Schwankungen in den einzelnen Jahren. Waren es im Jahr 2023 noch 133.591,40 Euro Einnahmen aus Eintrittsgeldern bei 14.588 Besuchern, so kamen im vergangenen Jahr nur noch 13.207 Besucher, die 120.411,79 Euro in die Kassen spülten. Die Ausgaben ohne die nachkalkulierten Kosten für Personal und Feuerwehr beliefen sich in beiden Jahren um die 179.000 Euro.
Im Jahr 2022 kamen aus Eintrittsgeldern 109.516,19 Euro zusammen, aber mit 14.819 Besuchern wurden mehr als in den beiden Folgejahren gezählt.

Sogar den Vorwurf, es gäbe indirekte Einnahmen durch die vermehrten Übernachtungsgäste am Festwochenende, ließ der Bürgermeister von seiner Kämmerin Sabina Reinhardt überprüfen. Ergebnis: Es wurden 250 Euro mehr Kurtaxe gezählt als an anderen Wochenenden.

Worüber in keiner Auflistung geschrieben wird, sind beispielsweise die Leistungen des städtischen Bauhofs, der eine ganze Woche lang das Fest auf den Märkten und Plätzen mit erheblichen Manpower vorbereitet und danach die Stadt wieder in den Normalzustand versetzt. Reinz ist bewusst, dass es schwierig wird, das Mittelalterstadtfest auch nur in einem Zweijahresrhythmus zu veranstalten, doch er glaubt, mit dieser Entscheidung erst einmal Zeit zu gewinnen, um zu tragfähigen Lösungen zu gelangen. „Ein ‚Weiter So‘ kann es nicht geben und die Diskussion ist eröffnet. Ich wollte die Entscheidung deshalb vor dem Beginn des diesjährigen Fests verkünden, damit alle Beteiligten eine Planungssicherheit für das nächste Jahr haben.“

Wie es dann 2027 weitergehen könne, darüber müsse in den nächsten Monaten befunden werden. Höhere Eintrittspreise lehnen viele Stadträte und Einwohner ab, eine Reduzierung des künstlerischen Programms ist noch nicht konzipiert, Sponsoring in größerem Maßstab ist bisher von den Verantwortlichen nicht gewünscht gewesen. Vor allem aber müsse von den hohen Personalkosten heruntergekommen werden. „Ich bin sofort gesprächsbereit, wenn jemand mit einer Idee kommt, wie das Fest zu retten und kostendeckend abzusichern ist. Auch ich möchte gern, dass es der Stadt erhalten bleibt.“, sagte Bürgermeister Reinz. „Aber wenn ich mir Dinge nicht mehr leisten kann, dann muss ich reagieren. Das machen wir doch privat auch alle so.“ Und es gäbe grundlegendere Probleme als ein Mittelalterwochenende.

„Wir reden bald über Kita-Gebühren und -standorte. Als Kurstadt haben wir eine kostspielige Grünflächenpflege zu stemmen und wir stehen immer wieder vor Instandhaltungskosten. Das hat derzeit Priorität. Wenn es jedoch da draußen jemanden gibt, der eine zündende Idee für das Mittelalterstadtfest hat, dann bitte sehr, ich würde mich sehr freuen“, fasste Reinz zusammen.

Andere kulturelle Angebote wie die neue Reihe „BaLaTon“ an den Donnerstagen im Sommer oder die jährliche Kinonacht sind Beispiele, wie sich Veranstaltungen finanziell tragen. „Daran verdienen wir nichts als Stadt, aber wir müssen auch nichts zusetzen.“ Ein Argument könne er überhaupt nicht mehr hören, erzählte Reinz den Pressevertretern. Das sei das Gerede von den Steuergeldern, die ohnehin da wären und deshalb für die Subventionierung von Festen ausgegeben werden müssten. „Nein, das müssen sie eben nicht, denn die Steuergelder werden für die Pflichtaufgaben einer Kommune verwendet. Darüber wacht eine Kommunalaufsicht im Landratsamt. Wenn ich meine Pflichten nicht erfüllen kann, dann gibt es eben auch keine freiwilligen Leistungen zu unterstützen.“

Seit dem Gewerbesteuereinbruch im Jahre 2023 von 2,8 Millionen Euro herrscht eine neue Zeitrechnung im Bad Langensalzaer Rathaus und der Haushaltsplanung. „Jetzt müssen wir uns alle Gedanken machen, wie wir aus dem Schlamassel wieder rauskommen, damit wir uns in Zukunft wieder mehr leisten können.“, ruft Bürgermeister Reinz alle Bürger und Stadträte auf.

Keine leichte Aufgabe, und noch dazu mit unsicherem Ausgang, vor allem für Veranstaltungen wie das Mittelalterstadtfest.
Olaf Schulze
Autor: osch

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