Urenkel des letzten Kaisers gedachte der Schlacht bei Langensalza
Ehrendes Gedenken und Mahnung für heute
Samstag, 27. Juni 2026, 13:45 Uhr
Die sengende Hitze, die sich heute bereits um 10 Uhr über Bad Langensalza legte, konnte der würdigen Gedenkfeier im Arboretum am Denkmal für die gefallenen Hannoveraner keinen Abbruch tun. Dutzende Bürger waren gekommen, um dem Festprogramm beizuwohnen, das anläßlich des 160. Jahrestages der Kampfhandlungen abgehalten wurde …
Seine Königliche Hoheit Heinrich Prinz von Hannover (Foto: oas)
An jenem 27. Juni soll es ebenfalls sehr warm gewesen sein, als es zu einer der größten Gefechte in den Kriegen zur deutschen Einigung kam. Nach der Begrüßung durch Bürgermeister Matthias Reinz, der als Moderator durch das Programm führte, erinnerte Gerald Drape, Vorsitzender des deutschen Welfenbundes, daran, dass damals wie heute die Frage im Raum stand, ob ein solcher Krieg nicht vermeidbar wäre, wenn der Diplomatie im Vorfeld eine größere Bedeutung eingeräumt worden wäre. Drape richtete sich an die jüngere Generation, der solche Kriege zur Mahnung gereichen sollen, es besser zu machen.
Auch Prinz Heinrich von Hannover, der Urenkel des letzten deutschen Kaisers Wilhelm II., sprach in seinem Grußwort über die Verantwortung der heutigen Gesellschaft und gestand ein, sich im Namen seiner Vorfahren schuldbewusst zu fühlen, denn der König von Hannover hätte aus Heinrichs Sicht diesen Krieg und damit auch die Schlacht um Langensalza verhindern können. Sein Urgroßvater habe der Familie darüber berichtet, was für schreckliche Dinge sich hier ereignet hätten. Seine Königliche Hoheit Prinz Heinrich verlieh seiner Hoffnung Ausdruck, dass sich solche Ereignisse nicht mehr wiederholen mögen.
So war das Heer seiner Ahnen nördlich von Langensalza auf Preußische Truppen mit ihren Verbündeten aus Sachsen-Coburg und Gotha getroffen. Obwohl die Schlacht mit einem taktischen Sieg der Hannoveraner endete, mussten die Sieger zwei Tage später kapitulieren. Im Verlauf der Schlacht verloren 43 Offiziere, 530 Unteroffiziere und Soldaten ihr Leben, 1693 Offiziere und Mannschaften wurden verwundet.
Überraschender Besuch war zum Festakt aus Italien angereist, wo die Parte Quelfa, ein 1266 von Papst Clemens IV. gegründeter Verein, seit Jahrhunderten brüderliche Beziehungen zu den Welfen pflegte, von gemeinsamen Kämpfen gegen die Staufferherrschaft in Italien bis zum heutigen Tage, da sich die Parte Quelfa hauptsächlich als Umweltschutzorganisation versteht. Gastgeschenke für das Hannoveraner Königs- und das Langensalzaer Rathaus hatten die vier Abgeordneten ebenso im Gepäck wie eine Ehrenfahne, die am Denkmal niedergelegt wurde.
Ein Grußwort trug auch Hauptmann Scheller vor, seines Zeichens neuer Kompaniechef der Partnerkompanie der Stadt Bad Langensalza im Aufklärungsbataillon 13 der Bundeswehr in Gotha. Vom ehemaligen Soldaten Matthias Reinz vorgestellt, der noch einmal die Bedeutung der Bundeswehr auch bei zivilen Katastropheneinsätzen und die gute Partnerschaft mit den Gothaer Soldaten hervorhob, lenkte Scheller das Augenmerk auf die Menschen, die jeweils hinter den nackten Truppenzahlen und Kartenzeichnungen stehen und den Horror des Krieges am eigenen Leib erleben mussten. Die Schlacht bei Langensalza mache auch deutlich, wie wichtig die Logistik für das Militär sei, denn letztlich haben die Hannoveraner aufgeben müssen, weil sie keine ordentliche Versorgungslinie für ihr Heer herstellen konnten. Richtig und wichtig, dass sie sich den Preußen in den Tagen nach der Schlacht ergaben, ergänzte Scheller, denn das rettete viele Menschenleben. Auch heute sei eine effiziente logistische Vorbereitung bei kriegerischen Auseinandersetzungen nötig. Nur so und gemeinsam mit der betroffenen Bevölkerung könne einer Aggression siegreich entgegen gewirkt werden. Die Langensalzaer Bürgerschaft, so lobte er, habe 1866 bei der Pflege und Bergung der Toten und Verwundeten großes Engagement bewiesen. Kluge Diplomatie und ein europäischer Zusammenhalt sei heute nötig, um weitere Kriege zu verhindern. Nie wieder dürfen Deutsche auf Deutsche schießen, beschwor der Hauptmann seine über fünfzig Zuhörer im Baumpark.
Schützen, Schülerinnen, Hofstaat, Bürgermeister, Prinz, Offizier und italienische Gäste vor dem Denkmal im Srboretum (Foto: oas)
Umrahmt wurde die Feierstunde vom Jugendblasorchester Nägelstedt, Salut-Schüssen der Schützengilde 1592 Bad Langensalza und fünf Schülerinnen der 10. Klasse des einheimischen Salza-Gymnasiums, die mit bewegenden Worten aus Tagebüchern Hannoveraner Soldaten lasen und einen Endruck von den Gefühlen und Ängsten der Schlachtteilnehmer vermittelten. Die feierliche Gedenkstunde heute mit der Würdigung der Opfer durch Kranzniederlegungen war Auftakt für einen langen Tag, der die Honoratioren noch zu den Mahnmalen in Merxleben und Nägelstedt führen wird.
Am heutigen späten Nachmittag um 17 Uhr wird Prinz Heinrich von Hannover, Philosophie-Magister und Verleger, in der Stadtbibliothek aus seinem neuen historischen Werk lesen, das sich auch mit den Folgen der Langensalzaer Schlacht auf die weitere Geschichte beschäftigt. Olaf Schulze