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Seine Freunde verabschieden ein Ausnahmetalent

Lutz Seidenstücker hat seine letzten Kampf verloren

Freitag, 29. Mai 2026, 20:10 Uhr
Der US-amerikanische Autor Ernest Hemingway schrieb: „Nur wenige Menschen sind wirklich lebendig und die, die es sind, sterben nie.“ Am 22. Mai 2026 hat unser Trainer, Kampfrichter, Mentor und Freund Lutz Seidenstücker seinen letzten Kampf gegen eine schwere Krankheit verloren. Er wurde 73 Jahre alt...

Lutz Seidenstücker   (Foto: Felix Becker) Lutz Seidenstücker (Foto: Felix Becker)

Er hat diese 73 Jahre unglaublich gut ausgefüllt und gelebt. Boxen stellte eine seiner zahlreichen Lebensinhalte dar. Seine jahrzehntelange Tätigkeit als Kampfrichter ist bis heute unvergessen. Viele Trainer aus Thüringen erinnern sich noch heute daran, wie Lutz damals als Ringrichter ihren Kampf leitete.

Sie wuchsen unter ihm als Kampfrichter auf und später sahen sie ihn, wie er ihre eigenen Schützlinge begleitete. Er war jedoch nicht nur Kampfrichter, sondern auch sehr lange im Thüringer Boxverband als Vizepräsident und Rechtswart aktiv. Er wurde 2017 Mitglied in unserem Verein. Zunächst war er unser Kampfrichter. Aber das änderte sich. Unsere Trainerbank war knapp besetzt, und Lutz bot schnell seine Unterstützung an. Er war nicht mehr als Kampfrichter tätig, sondern nur noch unser Trainer und hat u.a. mit 70 Jahren noch auf einer Luftmatratze in der Sporthalle geschlafen, um seinen Sportlern beim Blocktraining zu begleiten. Als wir 2025 mit fünf Medaillen bei den Deutschen Meisterschaften zu den erfolgreichsten Boxvereinen in Thüringen gehörten, war er unser Cheftrainer. In jedem unserer Sportler sah er das Potenzial, einen Titel zu erringen. Sein witziger, charmanter und leicht chaotischer Charakter machten ihn zu einer Art Opafigur für unsere Kinder. Sie haben in erster Linie für sich, aber auch für ihn gekämpft und auch im Jahr 2026 hatte er viele Ziele mit seinem Boxverein.

Aber nicht nur das Boxen gehörte zu seinem Leben. Seine Frau, seine Kinder, seine Enkelkinder und sein Hund waren die wichtigsten Bestandteile. Für seine Familie hat er alles getan. Lutz gehörte auch zum festen Bestandteil des Faschingprogramms in Ammern. Alle, die schon einmal mit ihm Auto gefahren sind, wissen, dass er auch extrem gerne Musik mag. Vor allem die Oldies und gute Gitarrenklänge liebt er.

Die Autofahrten mit älterer Musik und seinen Geschichten von seinen früheren Job als Ermittler werden wir wahrscheinlich nie vergessen. Sein Beruf als Polizist und Privatermittler zeigt, dass er die Gerechtigkeit liebte und die Ungerechtigkeit hasste. Seine körperliche Fitness war
ihm ebenfalls sehr wichtig: Er machte täglich seine Kraftübungen und konnte bei Liegestützen mit einigen unserer Sportler mithalten. Er war so verrückt und schwamm bei sehr niedrigen Außentemperaturen im See. Lutz war auch ein Fußballenthusiast und unterstützte Schalke 04. Er
liebte diese Saison. Es gäbe unzählige Dinge, die man nennen könnte, die er liebte. Er hat sein Leben gelebt und geliebt.

Wir sind unglaublich stolz, Teil seines Lebens gewesen zu sein, und wir werden alles dafür tun, dass seine Träume für das Boxen in Bad Langensalza Wirklichkeit werden.

Unser tiefes Mitgefühl gilt seiner Frau, seinen Kindern und Enkelkinder.
Felix Becker
Autor: emw

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