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Wie unser Aprilscherz entstand

Making of Apex Regional Media...

Donnerstag, 02. April 2026, 06:00 Uhr
April, April: Von chinesischen Investoren über US-Konzerne bis hin zu Tyler Durden mit Nordhäuser Wurzeln - was als einfacher Scherz-Artikel begann, entwickelte sich zu einer kompletten Website mit Bezahlmodellen und KI-generierten Bildern, hat mächtig Spaß gemacht, regt aber auch zum Nachdenken an...

Es begann mit einer schlichten Anfrage aus der Redaktion: „Nächste Woche ist 1. April und wir brauchen noch eine Ente. Wie wäre es damit, dass uns die Chinesen kaufen?“ Das ganze sollte schön technisch werden, also war es am Chef-Programmierer, die richtigen Worte zu finden.

Tyler Durden (CEO Apex Regional Media) und PSG (Herausgeber nnz) bei der Vertragsunterzeichnung (Foto: vgf) Tyler Durden (CEO Apex Regional Media) und PSG (Herausgeber nnz) bei der Vertragsunterzeichnung (Foto: vgf)

Erster Entwurf: China

Oder auch nicht, warum nicht einfach direkt die KI eine Story zusammenfantasieren lassen, denkt sich der technische Support? Gesagt, getan. Ein paar „Prompts“ später und die nnz wird nach Fernost verkauft. Ein chinesischer Investor namens „Shenzhen Goldene Pagode Medien GmbH" übernimmt die Portale, die Redaktion fliegt raus und eine KI namens „PandaNews 3.1" produziert fortan 2.400 Artikel täglich — „in perfektem Thüringisch". Das klang ganz lustig, aber auch zu sehr nach Karikatur und hatte zu wenig Biss. Version 1.0: verworfen.

Zweiter Entwurf: Amerika, erster Anlauf

Auf „Anweisung“ wurde China gegen die USA getauscht. Ein Sprecher namens Brad Kowalski trat nun auf, die Redaktion durfte bleiben, aber die IT, die den ganzen Quatsch fröhlich bei der KI in Auftrag gibt, musste gehen. Trump-freundliche Berichterstattung auf Lokalebene kam dazu. Schon besser — aber der Investor war noch namenlos, gesichtslos und beliebig.

Die erste Regel von Apex Regional Media: Man spricht nicht über Apex Regional Media.

Also wird dem Investor eine Biografie verpasst und er bekommt einen Namen, der Kenner der Filmgeschichte sofort aufhorchen lassen sollte: Tyler Durden, eine fiktive Figur aus „Fight Club“ von 1999 und - Achtung Spoiler - lediglich ein Phantom, dass sich der Protagonist des Films als Teil seiner gespaltenen Persönlichkeit zurecht fantasiert.

Im Artikel heißt es zunächst trocken: geboren als Thomas Durdän, aufgewachsen in der Nordhäuser Rosengasse, 1989 in die USA emigriert. Etwas holprig, also wird aus den Durdens die Auswandererfamilie Dördemann, die Nordhausen in den 20er Jahren verlässt. Wer den Film kennt, weiß: Tyler Durden existiert nicht. Wer ihn nicht kennt, liest einen tadellosen Nachrichtenartikel.

Und der ist in der Sache nicht gänzlich aus der Luft gegriffen: wir wurden schon oft gefragt, wann die Thüringer Allgemeine und damit das große Medienhaus Funke die kleine nnz übernehmen würde. Der Satz zu gescheiterten Verhandlungen mit der Mediengruppe sollte eigentlich jeden abholen, der sich ein wenig in der Thüringer Medienlandschaft auskennt. Und der Kaufpreis? In Kryptowährung — über den „Stillschweigen vereinbart" wurde, auch das passt zum Grundtenor der schönen, neuen Netzwelt.

Die Kaskade: Frühlingsball trifft amerikanische Flagge

Für die Glaubwürdigkeit ist entscheidend: Bildmaterial. Peter-Stefan Greiner konnte der Kollege beim Frühlingsball in passsender Montur ablichten, den amerikanischen Investor vor der US-Flagge hat die KI gebaut. Bildunterschrift: „Tyler Durden (CEO Apex Regional Media) und PSG (Herausgeber nnz) bei der Vertragsunterzeichnung, ein erstes i-Tüpfelchen und ein täuschend echt wirkendes Foto. Wer ganz genau hinschaut, sieht die Fehler in der Matrix - der Hintergrund erinnert frappierend an die täglichen Bilder aus dem "Oval Office" des Weißen Hauses und die KI verpasst Herrn Durden an jeder Hand einen Ehering, auch unter Amerikanern eher ungewöhnlich. Bis hierhin hat die KI aber dennoch schon viel geleistet, ohne dabei tatsächliche Realität abzubilden. Jetzt wollten wir wissen, wie weit man noch gehen kann.

Eine Firma entsteht in Minuten

Was als reiner Textartikel begann, wächst mit ein paar Tastatur-Anschlägen in rasender Geschwindigkeit. Eine „SVG-Infografik“ entstand mit allen Kernpunkten des Aprilscherzes — inklusive Quellenangabe. Es folgt eine vollständige Website für die fiktive „Apex Regional Media Inc.“, mit Logo, Ticker, Portalliste, Abonnementmodell und Impressum nach § 5 TMG.

Info-Grafik zum Plan. (Foto: vgf) Info-Grafik zum Plan. (Foto: vgf)
Die Feinabstimmung dauert etwas länger, eine erste Version in Petrol und Serifenschrift entsteht — bleibt aber intern und wurde ebenso wenig veröffentlicht, wie die SVG-Grafik. Eine Bezahlschranke in drei Stufen wird der nächste Baustein: Free, Premium (4,99 USD), „Apex Plus“ (9,99 USD) — selbstverständlich in Dollar, „weil das einfach eine schönere Währung ist.“

Brad Kowalski wird zur Randnotiz — sein Name taucht auf der Website auf, mehr nicht. Kein Foto, kein Avatar, kein Zitat im fertigen Artikel. Ein „VP Communications“, der schweigt - vielleicht die realistischste Figur des ganzen Scherzes. Teile, wie die Bezahlschranke flogen dann wieder raus - wir wollten es nicht übertreiben.

Was am Ende „on air“ ging

Der fertige Artikel erscheint eine gute Woche später am 1. April 2026 um 08:00 Uhr auf nnz-online.de — mit Foto, echtem CMS-Eintrag, echter Artikelnummer, und dem Verweis auf nnz-online.de/apex für „Mehr Infos". Darunter, wie bei jedem NNZ-Artikel: Autor: red.

Was als elaborater Scherz begann ist schnell zum Experiment geworden. Die Möglichkeiten der KI-Modelle sind enorm, auch wenn es weiterhin menschliches zu Tun braucht, um Schnitzer in den Details auszubügeln. Enormes Potenzial, zum Guten wie zum Schlechten. Eine Kollegin scherzt beim Blick auf die Ergebnisse weniger Stunden Spielerei: „Wir werden alle arbeitslos“.

Ganz so schlimm wird es nicht kommen, für echte Nachrichten muss Mensch immer noch mit Mensch reden und Fotos vom ganz und gar analogen Geschehen im Nordhäuser Alltag mag sich die KI zusammenfantasieren, mit dem, was wir und unsere Leserinnen und Leser jeden Tag mit eigenen Augen sehen, hat das dann aber nichts zu tun. Vor Ort funktioniert der Abgleich von Realität und Fiktion also vorerst noch.

Die nnz nutzt KI Abseits dieses April-Scherzes im Übrigen bisher nicht für die Erstellung der redaktionellen Inhalte, lediglich bei der Formatierung lassen wir uns ab und zu vom Maschinengeist helfen.

Der Quatsch hat uns einen wahnsinnigen Spaß gemacht.
Volker Georg Franke/Angelo Glashagel
techn. Support/Redaktion
Autor: vgf

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