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Bürgermeister Reinz: "Mittelalterstadtfest schreibt rote Zahlen"

In drei Jahren 200.000 Euro Verlust für die Stadt

Donnerstag, 21. August 2025, 18:30 Uhr
Hohe Wellen der Enttäuschung schlug gestern die Ankündigung des Bad Langensalzaer Bürgermeisters Matthias Reinz, das traditionelle Mittelalterstadtfest zukünftig nur noch aller zwei Jahre veranstalten zu wollen. Doch es gibt nachvollziehbare Gründe für die Entscheidung. Die uhz sprach darüber mit dem Verwaltungschef …

Einzug des Bürgermeisters zum letzten Mittelalterstadtfest: Wie geht es nun weiter? (Foto: Eva Maria Wiegand) Einzug des Bürgermeisters zum letzten Mittelalterstadtfest: Wie geht es nun weiter? (Foto: Eva Maria Wiegand)


Aufgrund der eingetretenen Bedingungen und der vorliegenden, belastbaren Zahlen bliebe ihm gar keine andere Wahl, als so zu entscheiden, wie gestern geschehen. Das betonte Matthias Reinz eingangs unseres Gesprächs. Er sähe sich seit der Veröffentlichung in der uhz gestern einem wahren shitsorm ausgesetzt. Die Kritiker würden aber bei allem verständlichen Ärger verkennen, dass sich die Stadt in einer schwierigen Finanzsituation befindet und im Zuge der Haushaltskonsolidierung keine freiwilligen Leistungen erbringen könne, die unterm Strich defizitär wären. Genau das sei aber beim Mittelalterstadtfest der Fall, wenn alle effektiven Ausgaben übers Jahr zusammengerechnet würden.

Nimmt man nur die Zahlen der letzten drei Jahre zur Hand, ergäbe sich ein eindeutiges Bild: Das Mittelalterstadtfest ist nicht rentabel und nicht einmal kostendeckend. Schloss das Fest im Jahr 2022 noch mit einem Minus von 46.500 Euro ab, so waren es 2023 wieder 4.500 Euro Gewinn, jedoch beim letztjährigen Jubiläumsfest dann erneut 12.500 Euro Verlust. „Nicht berücksichtigt sind bei diesen Saldenabschlüssen von Einnahmen und Ausgaben jedoch die nicht direkt für das Fest gebuchten Leistungen, die von der Stadt erbracht werden.“, erläuterte Sabina Reinhardt, Kämmerin der Stadt. Hierzu zählen Leistungen der Freiwilligen Feuerwehr im Gesamtwert von 13.100 Euro und die Dienstzeiten des Verwaltungspersonals an einem solchen Festwochenende von 35.200 Euro jährlich.

Werden diese Beträge zur Gesamtsumme addiert, ergibt sich im Dreijahressaldo ein Verlust von 66.476,47 jährlich bzw. 199.430,40 Euro über die letzten drei Jahre. „Das können wir so nicht weiter leisten“, analysiert Matthias Reinz die Situation nüchtern.

Um den hohen Kostenpunkt der Personalaufwendungen am Festwochenende zu reduzieren fragte die Verwaltung im Vorfeld des diesjährigen Mittelalterstadtfestes bei den gemeinnützigen und eingetragenen Vereinen der Stadt an, wer sich eine ehrenamtliche Mitarbeit beim Fest vorstellen könne. „Von 66 angeschriebenen Vereinen im Stadtgebiet, die schätzungsweise eintausend Mitglieder haben dürften, haben sich ganze 19 Menschen gemeldet. Das ist eine erschütternde Bilanz“, fasste der Bürgermeister die misslungene Aktion zusammen.

In den Abrechnung der letzten drei Jahre sind die Ausgaben bei den Marketingleistungen für das Fest besonders gestiegen, aber auch Künstlerhonorare und Übernachtungskosten sind deutlich höher als noch vor drei Jahren. Im Gegenzug hat die Stadt bei der inneren Verrechnung des Gartenbaufachbereichs die Kosten um fast zwei Drittel reduzieren können (von 49.500 Euro auf 18.000 Euro), bei der Bewerbung des Festes Geld eingespart und die anfallenden Mieten und Pachten seit 2022 halbiert. Das alles reicht aber nicht aus, um das Defizit zu decken. „Wir haben die Optimierungsmöglichkeiten bis zur Schmerzgrenze ausgeschöpft“, beteuert Langensalzas Stadtoberhaupt. Hinzu kommen in diesem Jahr erhöhte Kosten bei der Absicherung des Festes vor Terroranschlägen.

Warum aber wurden die äußerst moderaten Eintrittspreise nicht erhöht, wollten wir wissen und bekamen zur Antwort, dass die Befürchtung bestehe, dass sich dann nicht mehr alle Interessierten den Besuch des Festes leisten könnten. Auch eine Anhebung der Standmieten hätte letztlich nur zur Folge, dass die Mehrkosten der Händler über die Verkaufspreise wieder auf die Festbesucher umgelegt würden.

Bliebe noch die Frage nach einer Kommerzialisierung des Festes, das seit Mitte der Neunziger Jahre vom Kulturamt der Stadt ohne nennenswertes Sponsoring organisiert wird. Das sei, so der Bürgermeister, „aus künstlerischen Gründen bisher abgelehnt worden“.

Fazit: In der derzeitigen Form, auf so hohem Niveau und bei den momentanen Eintrittspreisen ist das Mittelalterstadtfest aus dem kommunalen Haushalt heraus nicht mehr bezahlbar. Gefordert sind jetzt neue und vielleicht auch unorthodoxe Ideen, wie das beliebte Fest in der Zukunft aussehen und vor allem finanziert werden kann. An diesem Prozess will sich Bürgermeister Reinz gern beteiligen und wandte sich an die Öffentlichkeit mit den Worten: „Ich lade alle Bürger ein, ihre Vorschläge zu unterbreiten und freue mich besonders auf die Konzepte der Leute, die mich jetzt für die getroffene Entscheidung so harsch kritisiert haben. Wir können die Situation nur gemeinsam meistern und müssen der Tatsache ins Auge blicken, dass die Zeit des unbegrenzten Wachstums und Geldausgebens für unsere Kurstadt vorbei ist.“
Olaf Schulze
Autor: osch

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