uhz-online
Projekt über Trauer bewegt Schüler, Eltern und Lehrer

„Vergiss mein nicht“ für Grundschüler

Mittwoch, 28. Mai 2025, 07:30 Uhr
Es geht um Abschied, das Leben und den Tod im dreitägigen Projekt „Vergiss mein nicht“, das Mary Fischer und Antje Wollenhaupt seit einigen Jahren erfolgreich an Bad Langensalzaer Grundschulen anbieten. Dafür haben die beiden engagierten Frauen ein interessantes Konzept entwickelt …

Die Erfinderinnen und Ausführende des "Vergiss mein nicht"-Projektes: Mary Fischer und Antje Wollenhaupt (Foto: Eva Maria Wiegand) Die Erfinderinnen und Ausführende des "Vergiss mein nicht"-Projektes: Mary Fischer und Antje Wollenhaupt (Foto: Eva Maria Wiegand)


Bereits zehnmal haben sie das „Vergiss mein nicht“-Projekt schon in den vierten Klassen zweier Langensalzaer Grundschulen durchgeführt, erzählt die Geschäftsführerin des Beerdigungsunternehmens „Feinsliebchen“, Mary Fischer, der uhz online. Die ehemalige Krankenschwester hat intensive Hospiz-Schulungen in Erfurt durchlaufen und fungiert selbst als Ausbilderin im ambulanten Hospizdienst. In diesem Zusammenhang kam ihr die Idee für das Schulprojekt, mit dem Grundschüler behutsam, spielerisch und kreativ an das Thema Sterben und Trauer herangeführt werden sollen.

Gemeinsam mit ihrer Freundin Antje Wollenhaupt, die in Thamsbrück eine Naturwerkstatt betreibt und in ihrer Arbeit viel Kontakt mit Kindern und Schülern pflegt, erarbeitete Fischer ein Konzept, innerhalb einer Projektwoche an drei Unterrichtstagen Aspekte des schwierigen Themas jungen Menschen zu vermitteln. Finanziell unterstützt von der Kreissparkasse und der Westthüringer VR-Bank entstand ein komplexer Block verschiedenster Ansatzpunkte, sich der gesellschaftlich wenig beachteten Problematik zu nähern.

Grundschulkinder besuchen den Friedhof  (Foto: M.Fischer) Grundschulkinder besuchen den Friedhof (Foto: M.Fischer)


Aus der anfänglichen Skepsis, die den Frauen entgegenschlug, ist längst anerkennende Bewunderung bei Eltern und Lehrern geworden; die teilnehmenden Kinder aber sind regelrecht begeistert von den unterhaltsamen und abwechslungsreichen Stunden mit Mary und Antje. Ganz am Anfang steht jeweils ein Elternbrief, in dem die beiden Projektleiterinnen erläutern, wofür sie die Kinder drei Tage lang sensibilisieren wollen.

Am Eröffnungstag offerieren sie den Kindern Einblicke in die Veränderungen im Lebensprozess von Geburt bis zum Tod, mittels Fotos und Gesprächen über Werden und Vergehen bei Flora und Fauna. Die Traurigkeit und der Umgang mit Trauer wird besprochen und bewertet. Auch wie man Trost spenden und vor allem sich selbst trösten kann, erfahren die Kinder. Am Ende des Tages bekommt jeder von ihnen ein rosa Tütchen, in dem alle ihre guten Gefühle sammeln und aufbewahren sollen.

Der zweite Projekttag beginnt für die Kinder auf dem Friedhof, wo in Gesprächen mit den Mitarbeitern über Begräbnisse und Zeremonien informiert wird. Die Schüler versuchen ihre Gefühle zu beschreiben und können Fragen an die Bestatter stellen. Die verschiedenen Weltreligionen und ihre Begräbnisriten werden vorgestellt und gemeinsam Erinnerungssteine gebastelt. Vom Friedhof führt der weitere Weg in die Friederiken Therme, wo den Kindern Wissenswertes über den berühmten Langensalzaer und Arzt Christoph Wilhelm Hufeland näher gebracht wird.
Aus einschlägigen Kinderbüchern zum Thema Tod und Sterben lesen die beiden Projektleiterinnen vor und schließlich geht es ins örtliche Kino, das Burgtheater, wo der Film „Willi will’s wissen“ gezeigt wird, der sich intensiv den Fragen um das Sterben widmet.

Während des Projekts werden von den Kindern auch mehrere Fragebögen ausgefüllt (Foto: M.Fischer) Während des Projekts werden von den Kindern auch mehrere Fragebögen ausgefüllt (Foto: M.Fischer)


Tag drei der Projektwoche untersucht die große Frage der Menschheit: „Was passiert nach dem Tod?“. Die Kinder philosophieren unter Anleitung darüber, was aus dem einzigen Leben, das uns zur Verfügung steht, gemacht werden kann und wie wir dabei mit dem Lebensende umgehen. „Wir wollen den Kindern bewusst machen, wie kostbar das Leben ist und dass der Tod aber dazugehört.“, erläutert Mary Fischer den Grundgedanken des Projekts. Eine Mappe, in der alle Stationen noch einmal aufgelistet sind, die Bastelarbeiten und Zeichnungen sowie Fotos enthält, kann jedes Kind am Ende des dritten Tages mit nach Hause nehmen.
Und es wird gefeiert: Mit Gesang und Tanz und einem Glas Kindersekt verabschieden sich die Teilnehmer aus den drei aufschlussreichen und horizonterweiternden „Vergiss mein nicht!“-Tagen.

Ein kluges Projekt in der Schule, das weiter Schule machen sollte, weil es ein Tabuthema aufgreift und ins Licht der Betrachtung rückt. Mary Fischer und Antje Wollenhaupt stehen dafür gern bereit und würden sich freuen, noch mehr Kindern diese schwierige Angelegenheit mit spielerischen Mitteln vermitteln zu können.

Olaf Schulze

Autor: osch

Drucken ...
Alle Texte, Bilder und Grafiken dieser Web-Site unterliegen dem Urherberrechtsschutz.
© 2026 uhz-online.de