uhz-online
Impressionen von Wolfgang Lehmann

Abwechslungsreiche Wanderungen im April

Freitag, 02. Mai 2025, 08:56 Uhr
Der Monat April bot ein abwechslungsreiches Angebot an Wanderungen. Da war für jeden etwas dabei. Unsere erste Wanderung am 2. April stand unter dem Motto „Wir säubern Wanderwege". Als Wanderer sind wir mit unserer Natur eng verbunden...

Fleißige Müllsamlerinnen und Müllsammler auf ihrer Wandertour im Hammatal, Brückental und Schersental  (Foto: Wolfgang Lehmann) Fleißige Müllsamlerinnen und Müllsammler auf ihrer Wandertour im Hammatal, Brückental und Schersental (Foto: Wolfgang Lehmann)


Bunte Landschaften, alte Wälder und stille Seen sind für uns das Paradies auf Erden. Aber leider denken und handeln nicht alle Menschen so und es muss von Zeit zu Zeit, so wie auch zu Hause, auch in der Natur sauber gemacht werden. Das Aufsammeln von Müll aller Art auf den Wegen durch das Hammatal, das Brückental und das Schersental ist für unsere Seniorengruppe schon eine langjährige Tradition.

So kamen auch in diesem Jahr mehr als dreißig Wanderinnen uns Wanderer, bewaffnet mit Müllsäcken. Greifern und Handschuhen. Da wir über den Triftweg wieder in das Städtchen kamen, konnten wir den gesammelten Müll auch gleich auf den Bauhof der Stadt abgeben. Leider mussten wir gerade oberhalb des Triftweges auch einen Müllberg entdecken, der auch für uns zu groß war. So etwas ist absolut inakzeptabel und erzeugt unnötige Kosten für unsere Gemeinde.

Rücksichtslos! Müllentsorgung in der Natur (Foto: Wolfgang Lehmann) Rücksichtslos! Müllentsorgung in der Natur (Foto: Wolfgang Lehmann)


Auch bei dieser Wanderung gab es etwas Neues. Am Wegrand des Triftweges, stadteinwärts auf der linken Seite, steht ein Gedenkstein.

Darauf ist zu lesen: „Im Andenken Rudolf Kochs Ehrenbürger der Stadt 1855 – 1922“. Laut der Liste der Ehrenbürger der Stadt Sondershausen wurde Koch im Jahr 1913 zum Ehrenbürger ernannt. Er war als Jurist und Kommunalpolitiker in Sondershausen tätig.
Man hört, dass diese Stelle, wo der Stein steht, durch Sondershäuser Bürger wieder zugänglich gemacht wurde. Sie bauten vor dem Stein eine Bank auf.

Die Wanderung in der darauffolgenden Woche fand die Unterstützung der himmlischen Mächte, es war warm und trocken. Auf unserer Route fanden wir Relikte der Kriegsmaschinerie des Dritten Reiches und auch Spuren alter und neuer Nazis.


Wir starteten am Sportplatz in Jecha, liefen über die M. A. Nexö Straße zu den Resten des ehemaligen Schachtgeländes. Wir sahen den ehemaligen Wasserturm, die Verschlussplatte der Schachtröhre sowie die ehemalige Chlor-Kaliumfabrik und erhielten einen kurzen Abriss der Geschichte des Raude-Schachtes.

Dazu gehörte eben auch die Umwandlung des Schachtes im Jahr 1938 in eine Heeres Munitionsanstalt mit unterirdischer Lagerung der produzierten Granaten bis zur Lieferung an die Front und einer Fertigungsstädte oben am Waldrand. Dazu gehört leider auch das Unglück am 28. Dezember 1945, also bereits nach Kriegsende. Beim Transport von einem Stoff untertage, vermutlich Sprengstoff, entzündete sich dieser und brannte.

Zu einer Explosion kam es glücklicherweise nicht. Die Verunglückten wurden über Tage gebracht, wo sie vermutlich an Giftwolken des Feuers verstarben. Es gab 16 Todesopfer, davon 8 Leute aus Berka. Deren Namen kann man noch heute auf einer Tafel am Kriegerdenkmal vor der Berkaer Kirche lesen.

Nach einer Pause zur Stärkung erreichten wir bald den Granitblock am Waldesrand, ich nenne ihn der Bewegte Stein. Das deshalb, weil er zunächst vor mehr als einer Million Jahre eine Reise von ca. 1000 Kilometern von Schweden hierher machte. Ein Gletscherstrom war sein Transporter. Da lag er dann viele Jahre. Mit dem Aufkeimen der NS- Zeit nutzten ihn ortsansässige Nazigruppen als Gedenkstein an Albert Leo Schlageter. Schlageter war im 1. Weltkrieg Angehöriger mehrerer Freikorps. Danach schloss er sich der NSDAP an.

Im Jahr 1923 wurde Schlageter von einem französischem Militärgerichtwegen Spionage und Durchführung mehrerer Sprengstoffanschläge zum Tode verurteilt und hingerichtet. Auch nach dem 2. Weltkrieg machte der Stein mehrmals „merkwürdige Ortsveränderungen“. Wir Wanderer sehen in ihm das, was er schon immer war, ein Naturphänomen und hoffen, dass er nun seinen Ruhepunkt gefunden hat. Jetzt ging es hinab ins Dorf bis zur Kirche St. Viti. Auf dem Kirchhof steht ein Denkmal zu Ehren der in den Weltkriegen gefallenen Mitbürger der Gemeinde. Auch die Opfer des Unglücks vom Dezember 1945 in der Muni sind namentlich auf einer Tafel aufgeführt und wir gedachten ihrer. Von hieraus ging es dann über den Unstrut-Werra Radweg zurück nach Jecha.

Am 12. April, bei strahlendem Sonnenschein, feierten die Mitglieder des Hainleite- Wandervereins zusammen mit Wanderfreunden der Vereine aus Bleicherode, Udersleben und Greußen das 22. Blutbuchenfest am Wilden Mann in Sondershausen.

Auch ein Vertreter des Vereins „Statt Urwald – Kulturwald“ am Possen und Hainleite e.V. war anwesend und überbrachte die Grüße seines Vereins. Er informierte über Veranstaltungen, die dieser Verein in der nächsten Zeit durchführen wird. Traditionell waren auch die Bebraer Singvögel zum Wilden Mann gekommen. Seit Jahren gibt es ein enges Band zwischen unserem Wanderverein und den Bebraer Singvögeln.

Mit ihren Sketchen, Gedichten und Frühlingsliedern sorgten sie für Fröhlichkeit. Auch Liedtexte hatten sie auf die Tische gelegt und so Mancher stimmte dann bei Liedern, wie Alle Vögel, dem Rennsteiglied oder Komm, lieber Mai und mache, kräftig ein. Auch für das leibliche Wohl war gesorgt. Die Firma Mickeleit aus Roßla kam mit einer Gulaschkanone und hatte gute Erbsensuppe mit oder ohne Bockwurst an Bord. Das THW hat für die notwendigen Tische und Bänke gesorgt. Diesen Partnern und allen Organisatoren dieses Festes ein Herzliches Dankeschön.

Im Übrigen existiert zum Wilden Mann eine Sage. Wer will, kann diese im Sondershäuser Heimat Echo Nr. 23 des Jahres 1998 auf Seite 11 f nachlesen.

Am 16. April trafen wir uns am Sondershäuser Hauptbahnhof. Es fuhr auch eine Bahn nach Erfurt. Die Fahrt war recht lustig. In Erfurt Gispersleben, einem Erfurter Stadtteil, stieg unsere Gruppe aus. Unser Wanderführer informierte uns, dass Gispersleben einst aus zwei jeweils am Ufer des Flusses Gera gelegenen Siedlungen, nämlich Kiliani und Viti bestand.

Kiliani wurde im Jahr 1143 und Viti im Jahr 1319 erstmals erwähnt. Wie und wann es zur Vereinigung beider Dörfer kam, ist ungeklärt. Nun begannen wir unseren Marsch ins Zentrum der Thüringer Landeshauptstadt auf Rad- und Wanderwegen sowie Parks entlang der Gera. Ein großer Teil der Wege und Parks entstand im Vorfeld der Bundesgartenschau, die vom April bis zum Oktober 2021 in Erfurt stattfand. An der Krämerbrücke angekommen, lösten wir unsere Wandergruppe auf und jeder konnte in Erfurt das tun, wozu er Lust hatte.

Eine weitere Wanderung führte uns am 23.04. in den Südharz und wir erwanderten mehrere Stationen des Südharzer Karstwanderweges. Zunächst fuhren wir von Sondershausen zum Wanderparkplatz Agnesdorf. Zuerst ging es zum Bauerngraben. Diesen hatten wir im vergangenen Jahr auf unserer Wanderung nach Breitungen schon einmal besucht.

Auch in diesem Jahr war der episodische See gut mit Wasser gefüllt. Nach einem kurzen Aufenthalt am See ging es weiter Richtung Questenberg. Auf unseren Wegen konnten wir bis zum Kyffhäuser schauen. Unterwegs stießen wir auch auf Erdfälle. Dann erreichten wir den höchsten Punkt Questenbergs. Seit Jahrhunderten wird hier jährlich am Pfingstmontag die Queste errichtet. Das Questenfest geht auf einen alten heidnischen Brauch zur Feier des Pfingstfestes zurück. Von hier oben hat man einen guten Überblick über den kleinen Ort und die Ruine der einstigen Questenburg.

Im Ort ist die Kirche, und ein hölzerner Roland zu erkennen. Wir steigen nun hinab in den Ort und kehren in die Gaststätte „Zur Queste“ ein. Die Wirtin erwartet uns schon und versorgt uns vorzüglich mit Speis und Trank. Wir sagen Dank und gehen gut gestärkt wieder durch den Wald und über Felder zurück zum Parkplatz.

Der April hat viel zu bieten. Am 30.04. strahlt der Himmel und die Temperaturen gehen schon in den Morgenstunden in Richtung 20 Grad. Heute geht es nach Greußen. Vom Gewerbegebiet am Ortsausgang wandern wir in Richtung Schilfa und Gangloffsömmern. Dabei queren wir auch einen Windpark.

Nach einer Rast geht es weiter durch die Schanzen zurück zum Ausgangspunkt. Unterwegs können wir die schöne und blühende Landschaft sowie einige bunte Schmetterlinge sehen. Es gibt sie noch, aber leider immer seltener. Auch einige Hasen hoppeln in sicheren Anstand an uns vorbei. Der Frühling zeigt sich deutlich.

Wolfgang Lehmann
Anmerkung der Redaktion:
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
Autor: emw

Drucken ...
Alle Texte, Bilder und Grafiken dieser Web-Site unterliegen dem Urherberrechtsschutz.
© 2026 uhz-online.de