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Meine Meinung:

Der Aufstieg eines Demagogen

Donnerstag, 07. November 2024, 17:18 Uhr
Auch mit einem Präsidenten Donald Trump wird die Welt nicht untergehen. Aber es könnte nach vier Jahren seiner Regentschaft nicht mehr die sein, die wir heute kennen – in Thüringen, Deutschland, Europa und Amerika. nnz-Autor Kurt Frank hat dazu eine Meinung...


Von Himmelhoch Jauchzen bis zu Tode betrübt reichen die Wortmeldungen von Bürgern aus dem Landkreis zur Wahl Trumps, die in den Kommentaren der nnz aktuell zu lesen waren. Ein verurteilter Straftäter, Hetzer, Fremdgeher, Lügner mit vulgärer Rhetorik, der zum Sturm auf das Capitol blies, wird Präsident eines großen Landes. Wie kann das sein?

Mich überraschte sein Erfolg nicht. Die Demokraten hatten mit Kamala Harris nicht die Person, die Trump Paroli bieten konnte. Erst der peinliche Auftritt beim TV-Duell brach den Starrsinn eines hinfälligen Bidens. Harris betrat die Bühne. Viel zu spät. Sie hatte nicht mehr die Zeit, sich auf den Wahlkampf intensiv vorzubereiten. Selbst in Kreisen der Demokraten gab es Zweifel.

Trump setzte auf Themen, die Amerikaner am meisten bewegen: Migration und Wirtschaft. Harris konnte mit Abtreibung und Frauenrechte nicht so punkten, wie man es erwartet hatte. Ihr Kontrahent machte glaubhaft: Biden und Harris sind die Schuldigen für Inflation und steigende Lebenshaltungskosten. Zudem öffneten sie die Tore für allerlei Gesindel, das da ins Land schwemme: Kriminelle, Vergewaltiger, Nichtsnutze, die das Blut Amerikas schändeten. Das verfing.

Donald Trump stilisierte sich zum Messias, den Heilsbringer. Nur er könne das Land zu alter Größe führen, den Ukraine Krieg und den in Gaza beenden und weiteres Blutvergießen verhindern. Seine wetternden Auftritte, gepaart mit schauspielerischem Talent, brachten dem Dämagogen den erwünschten Erfolg. Trotz aller Skandale!

Von seiner Sympathie zu Putin macht Trump kein Hehl. So wie er will er regieren: mit eiserner Hand. Alle Hebel hat er in der Hand. Jetzt haben seine Leute in beiden Häusern des Parlaments – Repräsentantenhaus und Senat – die Mehrheit. Er könnte einen Rachefeldzug gegen Gegner starten – sie strafrechtlich durch Sonderkommissionen belangen lassen.

Medien, die ihm kritisieren, Personen und Institutionen, die seiner Linie nicht folgen, sind nach seiner Lesart Volksverräter, die „ins Gefängnis gehören“. Von Putin hat er gelernt: Trump wird umgehend ihm gehörige Leute an den Schaltstellen der Macht setzen, Tausende Staatsdiener ersetzen. Das Pariser Klimaabkommen interessiert ihn nicht, stattdessen plant er einen Asylstopp und millionenfache Massendeportationen illegaler Immigranten.

Donald Trump hat vorgesorgt, sollten Oppositionelle, Gruppierungen und Verbände gegen den geplanten Staatsumbau vorgehen: In seiner Amtszeit bestückte er mit Neuzugängen den Obersten Gerichtshof mit erzkonservativen ihm treu ergebenden Leuten. Die könnten alle Klagen gegen den Präsidenten in untergeordneten Gerichten abweisen.

Man täte Trump aber unrecht, ihn zu verteufeln. Immerhin will auch was Gutes für die Menschheit tun – den Krieg in der Ukraine und den in Gaza beenden. Wie das? Zu Putins und Netanjahus Gnaden? Da steigt die Spannung!

Hämisch grinsend kann Donald auf das Durcheinander der Ampelregierung und auf das Hin und Herr in anderen europäischen Staaten blicken. Ihm soll und wird derlei „Krämerei“ nicht passieren. Ein Diktator im Interesse Amerikas will er sein. Trump wie Putin geben sich als Gläubige. Da kommt ihnen das erste Gebot gerade recht: „Ich bin der Herr, dein Gott. Du sollst neben mir keine anderen Götter haben“.

Der Aufstieg dieses Demagogen wird rechte Kräfte beflügeln: In Thüringen ebenso wie in anderen Bundesländern und Europa. Folgt bald ein neuer Trump? Dennoch: Es wird nicht so heiß gegessen wie es der Mann kocht. Unberechenbar aber ist er.
Kurt Frank
Autor: psg

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