Ein Wunsch nach Zusammenhalt bei Suppe und Seifenblasen
Buntes Demokratiefest in Bad Langensalza
Der englische Politiker Winston Churchill soll einst gesagt haben, die Demokratie sei die schlechteste aller möglichen Staatsformen, ausgenommen alle anderen. Und in der Tat bedeutet die Herrschaft des Volkes" keineswegs das, was sie zu sein vorgibt...
Aufsteigerband "VALE" aus Dresden begeisterte das Publikum beim Demokratiefest in Bad Langensalza (Foto: Eva Maria Wiegand)
Die Demokratie wurde vor rund dreieinhalbtausend Jahren von den Griechen erfunden. Die demokratische Regierungsform galt nicht für Frauen, Sklaven, Fremde und Arme. Sie hatten kein Stimmrecht. Im alten Athen stimmten die stimmberechtigten Bürger über alle Fragen ab. Die Demokratie unserer heutigen Zeit ist eine repräsentative Demokratie, das bedeutet, dass das Volk Abgeordnete wählt, die im Parlament die Entscheidungen treffen. Die Demokratie soll Menschenrechte wahren und einen Schutz für Minderheiten bieten. Diesen Schutz gab es in der sogenannten attischen Demokratie" im 5. Jahrhundert vor Christus nicht.
Team "Bündnis für Vielfalt" Bad Langensalza (Foto: Eva Maria Wiegend)
Das ist heutzutage erfreulicherweise anders und so ist es möglich, wie am Samstag in Bad Langensalza geschehen, ein Fest der Demokratie" zu feiern.
Die in der heutigen Zeit die allseits bemühte KI-Weisheit beschreibt dieses Fest wie folgt: Eine öffentliche Veranstaltung, die den Wert von Freiheit, Mitbestimmung und gesellschaftlichem Zusammenhalt feiert und erlebbar macht." Dies war auf dem Schlossplatz an der Dryburg deutlich zu spüren.
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Stände der Parteien SPD, LINKE und GRÜNE waren auf der Hälfte des Schlossplatzes untergebracht, etwas abseits stand der personalisierte Stand einer einzelnen CDU-Landtagsabgeordneten.
Der BUND präsentierte sich mit Kindermitmachspielen, das Bundesprogramm Demokratie leben" hatte einen schön großen Stand, es gab Kinderschminken, veganes Bier und Suppe gegen rechts von den Omas gegen rechts, zu denen mittlerweile auch Opas" gehören. Die Suppenküche versorgte die hungrigen Gäste mit leckeren Hotdogs, Getränken und guter Laune.
Auch ein queeres Zentrum aus der Kreisstadt war vertreten, ein sozialer Verein aus der Rosenstadt und eine Bürgerliste aus Bad Langensalza. Es gab T-Shirts zu kaufen, welche vor Ort mit einer Druckerpresse bedruckt wurden. Auch vegane Knete, Kuchen und bunte Anstecker fanden ihre Abnehmer.
Viele Plakate und Aufkleber wurden an den Ständen präsentiert und alle vereinte, laut Pressemeldung, der Wunsch, einen abwechslungsreichen und bunten Tag miteinander zu verbringen." Auch Musiker und ein Chor waren gekommen, um die Demokratievertreter bei ihrem angeregten Austausch zu unterhalten.
Der Kampf gegen rechts" und die Sorge vor dem Faschismus beherrschten deutlich sicht- und hörbar den Diskurs am Fuße der Dryburg. Ein Themenkomplex, zu dem einige Rednerinnen und Redner das Wort ergriffen, selbst Katharina Schenk (SPD), die Thüringer Ministerin für Soziales, Gesundheit, Arbeit und Familie, war aus der Landeshauptstadt zu einer, wenn auch kurzen, Stippvisite herbeigeeilt.
Das Bündnis für Vielfalt präsentierte an seinem Stand eine Timeline zur Entstehung eines Filmes über eine Zeitzeugin des 2. Weltkrieges.
Die Protagonistin Ulla Fischer, mittlerweile 89 Jahre alt, berichtet in diesem Kurzfilm über ihre kindlichen Erinnerungen aus den Zeiten des Schreckens, die sie bis heute nicht loslassen. Der professionell gedrehte Film wird am Tag des Gedenkens an die Reichspogromnacht" im Langensalzaer Burgtheater gezeigt. Geplant ist die Anwesenheit der in Weimar lebenden Zeitzeugin.
Der Besucheransturm zum Demokratiefest hielt sich am frühen Abend allerdings in recht bescheidenen Grenzen. Ich hätte mir gewünscht, dass von einem Fest der Demokratie vielleicht auch ein Friedensappell hätte ausgehen können, der sich gegen die momentan in der Welt wütenden Kriege richtet. Eva Maria Wiegand