Anzeige symplr (lb_1)
Sa, 07:00 Uhr
12.09.2026
Ein Blick in die Statistik

Thüringer Produktivität bleibt unter Durchschnitt

Das nominale Bruttoinlandsprodukt ist 2024 gegenüber dem Vorjahr in 14 der 22 Thüringer Kreise gestiegen. Nach Mitteilung des Thüringer Landesamtes für Statistik war die Entwicklung in den kreisfreien Städten insgesamt günstiger als in den Landkreisen. Gründe hierfür waren zum einen der verhältnismäßig geringere Rückgang des Verarbeitenden Gewerbes in den kreisfreien Städten…

Zum anderen machen die Dienstleistungsbereiche, welche in allen Kreisen zunahmen, einen höheren Anteil in den kreisfreien Städten als den Landkreisen aus. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) Thüringens, der Marktwert aller in Thüringen hergestellten Waren und Dienstleistungen, belief sich 2024 auf 77,7 Milliarden Euro.

Anzeige symplr (mr_1)

Damit stieg es im Vergleich zum Vorjahr nominal um 1,3 Prozent. In 14 der 22 Landkreise und kreisfreien Städte wurde ein Anstieg gegenüber 2023 festgestellt. Die höchsten Zuwächse wurden im Saale-Orla-Kreis mit +5,0 Prozent verzeichnet. In den übrigen 8 Kreisen ging das BIP zurück. Am stärksten war der Rückgang im Landkreis Sonneberg mit -2,7 Prozent.

Verarbeitendes Gewerbe prägt Entwicklung
Die Entwicklung des BIP wurde 2024 in vielen Kreisen maßgeblich durch das Verarbeitende Gewerbe bestimmt. Kreise, in denen die Bruttowertschöpfung (BWS) dieses Wirtschaftsbereichs deutlich zurückging, wiesen häufig eine negative BIP-Entwicklung auf. Beispielhaft zeigt dies der Landkreis Hildburghausen: Dort sank die BWS des Verarbeitenden Gewerbes gegenüber dem Vorjahr um 11,4 Prozent. Positive Impulse aus dem Baugewerbe und den Dienstleistungsbereichen konnten diesen Rückgang nicht ausgleichen. Das BIP des Landkreises Hildburghausen ging daher um 2,0 Prozent zurück.

Umgekehrt konnten Kreise, in denen das Verarbeitende Gewerbe weniger stark zurückging oder sogar zunahm, ihr BIP im Vergleich zum Vorjahr steigern. Ein prägnantes Beispiel hierfür ist der Saale-Orla-Kreis. Dort stieg die BWS des Verarbeitenden Gewerbes überdurchschnittlichen stark um 12,7 Prozent. Zusammen mit positiven Entwicklungen im Baugewerbe und in den Dienstleistungsbereichen führte dies zu einem Anstieg des BIP um 5,0 Prozent.

Arbeitsproduktivität weiterhin unter dem Bundesdurchschnitt
Zum Vergleich von Regionen kann die Arbeitsproduktivität herangezogen werden. Hierzu wird das BIP mit der Zahl der Erwerbstätigen oder der geleisteten Arbeitsstunden ins Verhältnis gesetzt. Das BIP je geleistete Arbeitsstunde ist im Hinblick auf moderne Beschäftigungsverhältnisse (z. B. Teilzeit) das zutreffendere Produktivitätsmaß.

In Thüringen lag die Arbeitsproduktivität 2024 bei 56,31 Euro je geleisteter Arbeitsstunde. Dies entsprach 79,8 Prozent des Deutschlandwertes von 70,55 Euro. In sämtlichen Thüringer Kreisen lag die Arbeitsproduktivität unter dem Bundesdurchschnitt. Dem Deutschlandwert am nächsten kam 2024 die Stadt Jena mit 89,2 Prozent. Allerdings ist dort seit einigen Jahren ein rückläufiger Trend zu beobachten.

Ihren bisherigen Höchststand erreichte die Arbeitsproduktivität in der kreisfreien Stadt Jena im Jahr 2021, als sie 92,4 Prozent des Deutschlandwertes betrug. Langfristig hat sich die Arbeitsproduktivität der Thüringer Kreise insgesamt dem Deutschlandwert angenähert. Besonders deutlich zeigt sich dies im Landkreis Weimarer Land. Dort entsprach das BIP je geleistete Arbeitsstunde im Jahr 2000 lediglich 57,4 Prozent des Bundeswertes. Bis 2024 erhöhte sich dieser Anteil um 30,0 Prozentpunkte auf 87,4 Prozent. Am geringsten war der Aufholprozess in der kreisfreien Stadt Suhl. Dort stieg die Arbeitsproduktivität seit Beginn der Messung im Jahr 2000 von 69,9 Prozent auf 73,3 Prozent des Deutschlandwertes. Dies entspricht einer Zunahme um 3,5 Prozentpunkte

Das Bruttoinlandsprodukt auf Ebene der Landkreise und kreisfreien Städte wird ausschließlich in jeweiligen Preisen ermittelt, also nicht preisbereinigt, da keine Preisindizes auf Kreisebene vorliegen. Zum Vergleich lag in Thüringen die Veränderungsrate des BIP in jeweiligen Preisen von 2023 auf 2024 bei 1,3 Prozent, preisbereinigt bei -2,0 Prozent.

Zum Unterschied zwischen Bruttoinlandsprodukt (BIP) und Bruttowertschöpfung (BWS): Das BIP enthält neben der BWS aller Wirtschaftsbereiche eine Komponente, die nur für die Gesamtwirtschaft berechnet wird, nämlich den Saldo aus Gütersteuern abzüglich Gütersubventionen mit einem Anteil von circa 10 Prozent am BIP.

Das BIP für Thüringen liegt bereits bis einschließlich des Berichtsjahres 2025 vor. Für die Thüringer Kreise hingegen liegen derzeit Ergebnisse bis einschließlich 2024 vor. Der zeitliche Versatz ist zum einen darauf zurückzuführen, dass die Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen im Wesentlichen nach dem Top-Down-Verfahren durchgeführt werden. Die Berechnungen erfolgen dabei aufeinander aufbauend
für Deutschland, die Bundesländer und anschließend die Kreise. Zum anderen stehen für die Kreisberechnung des Jahres 2025 derzeit noch nicht alle erforderlichen Ausgangsdaten in der notwendigen regionalen Gliederung zur Verfügung.
Autor: red

Anzeige symplr (lb_3)
Kommentare

Bisher gibt es keine Kommentare.

Kommentar hinzufügen
Es gibt kein Recht auf Veröffentlichung.
Beachten Sie, dass die Redaktion unpassende, inhaltlose oder beleidigende Kommentare entfernen kann und wird.
Anzeige symplr (lb_2)
Anzeige symplr (9)
Anzeige symplr (bb_2)