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Mo, 12:50 Uhr
07.09.2026
Bürgermeister Matthias Reinz über Wählerwillen und Demokratie

„Ich konnte nur noch den Kopf schütteln“

Zum gestrigen langen Wahlabend in Sachsen-Anhalt äußerte sich heute auch Bad Langensalzas Bürgermeister Matthias Reinz. In seinen Betrachtungen geht es weniger um das Wahlergebnis als vielmehr um den Umgang damit in den Parteien und deren öffentliche Einschätzungen des Wählerwillens…

Bild: Bürgermeister reinz auf einer demo
Bad Langensalzas Bürgermeister Matthias Reinz auf einer Kundgebung in der Corona-Zeit (Foto: oas)

Wie wahrscheinlich auch Millionen anderer politikinteressierter Bundesbürger saß Matthias Reinz gestern Abend gespannt vor dem Fernseher und verfolgte die Interviews mit den unterschiedlichsten Personen aus Politik und öffentlichem Leben. Vieles daran hat ihn sehr irritiert. „Die Ergebnisse liegen schwarz auf weiß auf dem Tisch und sie kamen wahrlich nicht überraschend. Die Prognosen hatten doch deutlich gezeigt, wohin sich die Stimmung entwickelt. Umso erstaunlicher finde ich es, welche Erklärungen jetzt teilweise bemüht werden. Da wird analysiert, relativiert und nach Schuldigen gesucht, nur eines scheint vielen besonders schwerzufallen: das Ergebnis einfach einmal ernst zu nehmen. Statt ständig darüber zu diskutieren, was mit den Wählerinnen und Wählern angeblich nicht stimmt, sollte man vielleicht endlich anfangen, sich selbstkritisch zu fragen, warum Menschen so wählen, wie sie wählen."

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Es seien die Menschen in Sachsen-Anhalt gewesen, die frei und demokratisch gewählt haben, betont das parteilose Stadtoberhaupt gegenüber der uhz online. „Demokratie funktioniert nicht nur dann, wenn einem das Ergebnis gefällt. Demokratie bedeutet auch, den Willen der Wählerinnen und Wähler zu respektieren, wenn das Ergebnis unbequem ist oder nicht in das eigene politische Weltbild passt.", empfiehlt er den daueraufgeregten Herrschaften in den Parteizentralen.

Und Reinz begründet auch, warum er sich als Bürgermeister erdreiste, sich so öffentlich zu äußern: „Gerade ein Bürgermeister ist jeden Tag an der Basis. Wir sprechen mit den Menschen auf der Straße, im Rathaus, bei Vereinsveranstaltungen, in Unternehmen, bei der Feuerwehr, beim Sport oder einfach beim Einkaufen. Wir hören ihre Sorgen, ihren Ärger, ihre Enttäuschungen und ihre Erwartungen. Und wir erleben unmittelbar, wenn Vertrauen verloren geht."

Ihm komme es zunehmend so vor, als würden manche Menschen in Regierungsverantwortung auf Landes- und Bundesebene in einer eigenen politischen Welt leben. Seiner Meinung nach sollte den Bürgern wieder mehr zugehört werden, anstatt nur über die Wähler zu reden und ihnen vorschreiben zu wollen, was sie zu denken hätten.

„Vielleicht sollte man weniger darüber philosophieren, warum die Bürger angeblich falsch gewählt haben, und sich stattdessen fragen, warum man selbst sie nicht mehr erreicht. Und wer die Signale aus der Bevölkerung immer wieder ignoriert, wer Kritik kleinredet und unangenehme Wahrheiten nicht hören möchte, der darf sich anschließend auch nicht darüber wundern, wenn die Menschen bei der nächsten Wahl ihre eigene Antwort geben.", sagte Matthias Reinz abschließend.
Autor: osch

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