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Di, 10:00 Uhr
18.08.2026
Begegnungen im Haus der Spuren

Erinnerung an Gert Schramm

Im Rahmen einer Sommer-Vortragsreihe im Haus der Spuren in Bad Langensalza trafen sich Interessierte zu einem Vortrag über das Leben des ehemaligen KZ-Insassen Gert Schramm. Petra Monkowius und Karin Gottschling, Mitglieder des Seniorenbeirats von Bad Langensalza, lasen Texte aus dem Leben des KZ-Überlebenden Gert Schramm...

Bild: Familie Löscher/ Heise vor der Erinnerungstafel ihres Familienmitglieds Gert Schramm im Haus der Geschichte in Bad Langensalza
Familie Löscher/ Heise vor der Erinnerungstafel ihres Familienmitglieds Gert Schramm im Haus der Spuren in Bad Langensalza (Foto: Eva Maria Wiegand)


Neben einer kleinen Gruppe von Zuhörerinnen und Zuhörern waren Familienangehörige des ehemaligen Häftlings eingeladen worden.

Im Jahr 1928 wurde Gert in Erfurt geboren. Seine deutsche Mutter und sein afroamerikanischer Vater lebten in diesen Zeiten gefährlich. Besonders die Mutter war immer wieder Beschimpfungen ausgesetzt. Einen Teil seiner Kindheit und Jugend verbrachte Gert Schramm in Langensalza.

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Durch sein nicht „rassenkonformes" Aussehen wird der junge Gert Schramm von seinem nationalsozialistischen Lehrer immer wieder gedemütigt und ausgegrenzt. Verzweifelt bricht er die Schule ab und beginnt eine Lehre in einer Autowerkstatt.

Am 6. Mai 1943 wird Gert mit nur 14 Jahren von zwei Gestapo-Männern an seinem Arbeitsplatz verhaftet. Eine Straftat liegt nicht vor, doch die bereits 1935 erlassenen Nürnberger Gesetze (Reichsbürgergesetz und Gesetz zum Schutz des deutschen Blutes und der deutschen Ehre) erlauben der Gestapo, polizeiliche Willkürmaßnahmen durchzuführen. So kommt der Jugendliche in „Schutzhaft".

In einem kleinen Bunkergefängnis, im Keller des heutigen Thüringer Landtages, wird der Jugendliche monatelang eingesperrt und schikaniert.

Bild:
Praktikantin aus Winsen an der Luhe, Fiona Brügge; besuchte mit der UHZ-Online den Thüringer Landtag und das Kellerverlies in dem Gert Schramm eingesperrt war (Foto: Eva Maria Wiegand)


1944 wird Gert als „politischer Häftling" in das KZ Buchenwald verschleppt. Dort muss er schwere Zwangsarbeit im Steinbruch leisten. Wie durch ein Wunder überlebt der Junge sein Martyrium. Am 11. April 1945 wird das KZ Buchenwald von der US-Armee befreit. Das Erlebte behält Gert Schramm bis zum Jahr 2006 für sich und schweigt.

„Warum Gert plötzlich sein Schweigen gebrochen hat und von da an nicht mehr aufgehört hat, seine Erlebnisse „herauszuschreien" und in einem Buch zu veröffentlichen, das wissen wir nicht", erklärt die bei der Lesung anwesende Schwägerin Frau Löscher.

Die Nichte von Frau Löscher, Frau Heise mit Mann, berichten, dass sie jahrelang gar nichts von der Geschichte von Gert wussten. Nun freuen sie sich, dass dem Überlebenskämpfer Gert Schramm eine Lesung gewidmet wird. Dies ist aber nicht die einzige Erinnerung an den einst zu Unrecht Verurteilten. Im Jahr 2017 erhielt Schramm für seine Initiative gegen Rechtsextremismus im Rathaus von Eberswalde das Bundesverdienstkreuz am Bande. 2023 wurde in Erfurt eine Straße zur Gert-Schramm-Straße umbenannt.

Auch in Bad Langensalza soll Schramm ein Denkmal gesetzt werden. Wann und ob in Form einer Rose oder einer Stele, das steht noch nicht ganz fest, erklärt Bürgermeister Reinz gegenüber der UHZ-Online.

Gert Schramm wurde am 25. November 1928 in Erfurt geboren und verstarb am 18. April 2016 in Eberswalde.

Anmerkung der Redaktion
Etwas Verwirrung kam während der Lesung auf, als von den Vertreterinnen des Seniorenbeirates berichtet wurde, dass die Stadt Bad Langensalza und insbesondere der Bürgermeister und die Presse sich nicht für die Ehrung des Gert Schramm interessieren würden. Auf Nachfrage stellte sich heraus, dass weder die UHZ Online noch der Bürgermeister zu einem Gedenken vor dem Rathaus eingeladen waren. Für die anwesenden Familienangehörigen war diese Falschinformation sehr peinlich.

Nun hoffen alle Beteiligten auf einen gemeinsamen Termin zur Ehrung des ehemaligen Langensalzaers und auf ein friedliches Miteinander.
Eva Maria Wiegand
Autor: emw

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