Der Luchs galt in Deutschland über 100 Jahre lang als ausgestorben. Dass heute wieder Luchse durch unsere Wälder streifen, verdanken wir jahrzehntelanger Naturschutzarbeit. Die heutigen Luchsbestände gehen nahezu vollständig auf Wiederansiedlungsprojekte zurück – etwa im Harz, im Bayerischen Wald und nun auch im Thüringer Wald...
Luchs Ionel wurde im April 2025 im Thüringer Wald ausgewildert (Foto: Giacomo Serafini)
Zum Tag des Luchses am kommenden Donnerstag macht der BUND Thüringen auf die zentrale Bedeutung von Wiederansiedlungsprojekten für die Rückkehr des Luchses aufmerksam.
Mit dem Artenschutzprojekt Luchs Thüringen – Europas Luchse vernetzen setzen sich der BUND Thüringen gemeinsam mit seinen Partnern für den Aufbau einer neuen Luchspopulation im Thüringer Wald ein. Dass dieser Ansatz wirkt, zeigt sich bereits heute: Inzwischen leben hier wieder acht adulte Luchse mit festen Streifgebieten.
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Die Entwicklung im Thüringer Wald stimmt uns optimistisch. Unser Ziel ist jedoch nicht nur der Aufbau einer stabilen Luchspopulation in Thüringen. Der Thüringer Wald soll künftig dazu beitragen, Luchsvorkommen in Deutschland und Europa besser miteinander zu vernetzen und den genetischen Austausch zwischen den Beständen zu stärken. Nur so können langfristig überlebensfähige Luchspopulationen entstehen und die Zukunft des Luchses in Mitteleuropa gesichert werden, sagt Dr. Markus Port, Luchsexperte des BUND Thüringen.
Seit dem Projektstart im Frühjahr 2023 wurden sieben Luchse im Thüringer Wald ausgewildert. Mit Ausnahme des Kuders Carlo, der nach seiner Auswilderung im August 2025 nach Nordbayern abwanderte, halten sich alle Tiere weiterhin in der Region auf. Fünf Luchse haben bereits feste Streifgebiete im Thüringer Wald etabliert. Der zuletzt ausgewilderte Kuder Gabriel erkundet derzeit noch weiträumig die Landschaft und hält sich aktuell im Raum Sonneberg auf.
Auch die Entwicklung des Bestandes verläuft erfreulich. Im vergangenen Jahr konnten sich erstmals zwei Luchsweibchen im Thüringer Wald erfolgreich fortpflanzen: die ausgewilderte Luchsin Vreni sowie eine vermutlich aus Bayern zugewanderte Luchsin. Derzeit leben mit Vreni, Frieda und der aus Bayern stammenden Luchsin drei geschlechtsreife Weibchen im Thüringer Wald. Die Projektpartner hoffen deshalb auch in diesem Jahr auf weiteren Nachwuchs.
Trotz der erfreulichen Entwicklung steht der Aufbau einer langfristig überlebensfähigen Population noch am Anfang. Um die Zahl reproduzierender Tiere zu erhöhen und die Population langfristig zu stabilisieren, sollen im Laufe dieses Jahres weitere drei bis vier Luchse im Thüringer Wald ausgewildert werden, darunter voraussichtlich auch mehrere Weibchen.
Ein engmaschiges wissenschaftliches Monitoring bleibt dabei unverzichtbar. Es ermöglicht nicht nur die Beobachtung der Bestandsentwicklung, sondern liefert auch wichtige Erkenntnisse über Wanderbewegungen, Fortpflanzungserfolge und die Vernetzung einzelner Populationen.
Der Thüringer Wald entwickelt sich zunehmend zu einem wichtigen Bindeglied zwischen den Luchsvorkommen Mitteleuropas. Jede erfolgreiche Auswilderung und jedes im Freiland geborene Jungtier bringen uns unserem Ziel näher: dauerhaft überlebensfähige und miteinander vernetzte Luchspopulationen in Deutschland und Europa. Die positiven Entwicklungen der vergangenen Monate zeigen, dass unser Projekt wirkt. Nun gilt es, diesen Erfolg langfristig zu sichern, sagt Port.