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Blick in die Glaskugel

Bedarf statt Mangel

Mittwoch, 03. Januar 2018, 17:30 Uhr
Der Arbeitsmarkt brummt, das vergangene Jahr war besser als erwartet. Bei der Agentur für Arbeit ist man vorsichtig optimistisch, dass der Trend anhält, trotz neuer Herausforderungen wie der Digitalisierung. Mit Zuversicht und Engagement könne man mit diesen Entwicklungen Schritt halten...

Arbeitsmarkt 2018, keine Angst vor Digitalisierung (Foto: Angelo Glashagel)
Eigentlich hat die Situation schon leicht absurde Züge. In der Nordthüringer Arbeitsagentur kümmert man sich nicht mehr allein um Menschen, die ihre Arbeit verloren haben, nach einer Ausbildung oder gar einer neuen Beschäftigung suchen, sondern inzwischen auch um Leute, die schon in Lohn und Brot stehen. Mit dem Programm "WeGebAU", das steht für "Weiterbildung Geringqualifizierter und beschäftigter Älterer in Unternehmen", will man Arbeitnehmer die Möglichkeit geben Berufsbegeleitend in kleinen Schritten höhere Qualifikationen zu erlangen. Das Kalkül: zum einen könnten Betriebe einen Teil ihres Bedarfs an Fachkräften aus dem eigenen Personalpool schöpfen, aus Hilfskräften würden Fachkräfte. Zum anderen werden so theoretisch auch wieder Plätze für Hilfskräfte frei.

Das wiederrum könnte für die Agenturen die Möglichkeit mit sich bringen auch einige der vergleichsweise wenigen verbliebenen Arbeitslosen in Beschäftigung zu bringen. Zwischen Eichsfeld, Kyffhäuser und dem Südharz sind heute noch knapp 9.000 Personen Arbeitslos, vor zehn Jahren waren es noch 23.104. 3.202 Menschen haben seit mehr als einem Jahr keine Arbeit mehr und gelten damit als Langzeitarbeitslos. Rund 4.000 Personen fielen im Dezember aus der Statistik weil sie sich zum Beispiel in Weiterbildungs- und Qualifizierungsmaßnahmen befinden und dem Arbeitsmarkt somit nicht zur Verfügung stehen. 2013 betraf das noch 4.500, 2010 insgesamt 6.000 Personen.

Rund 72% der Beschäftigten arbeiten aktuell in Vollzeit, der Rest in oft selbst gewählter Teilzeit. 87.064 Arbeitnehmer sind sozialversicherungspflichtig beschäftigt, knapp 12.000 Nordthüringer arbeiten noch in geringfügiger Beschäftigung. Die Zahlen sinken, der Bedarf steigt, gute Nachrichten für den Südharz. Die genaue Statistitik finden Interessierte hier .

Jeder Boom hat einmal ein Ende, lehrt die Volkswirtschaft. An der Uferstraße in Nordhausen rechnet man für das kommende Jahr aber erst einmal weiterhin mit positiven Entwicklungen. Weitere -3,3% Arbeitslosigkeit erwartet Agenturleiter Karsten Froböse für 2018. Im letzten Jahr hatte sich seine Prognose nicht bestätigt, das Ergebnis fiel am Ende sogar besser als erwartet aus. "Ich bin nicht traurig wenn ich mich in diesem Jahr so irren sollte wie im vorigen Jahr", meinte Froböse.

Die Sorge das Digitalisierung und Automatisierung den Arbeitsmarkt in den kommenden Jahren fundamental verändern werden teilt er nur bedingt. "In dieser Debatte liegt viel Konzentration auf dem was verschwinden, nicht auf dem was neu entstehen könnte", meint Froböse. Ähnliche Diskussionen habe man schon Ende in den 70er und 80er Jahren geführt als der Computer im Büro Einzug hielt. Derlei Veränderungen werde es immer geben, entscheidend sei der Umgang damit. "Die Zukunft wartet nicht auf uns. Wir können sie mitgestalten, auch als Arbeitnehmer, aber das setzt Engagement, Lernbereitschaft und Zuversicht voraus. Wer glaubt er müsse in seinem Leben nicht mehr lernen hat schon verloren."

Mit kurzfristigen Veränderungen der Arbeitsmarktsituation müsse man immer rechnen und sei Bundesweit auch auf derlei Szenarien vorbereitet, erklärte Froböse weiter. Die Bundesagentur in Nürnberg habe ein "Polster" für schlechte Zeiten aufgebaut um etwa Kurzarbeitergeld oder ähnlichen Maßnahmen reagieren zu können. Ob das im Fall der Fälle auch ausreichend sei könne man in Nordhausen nicht beantworten.

Aktuell sei die primäre Aufgabe vor Ort die Fachkräftesicherung, damit die derzeitige Entwicklung anhalten könne. Für die Prosperität der Region ist die Verfügbarkeit qualifizierter Arbeitskräfte im Moment bedeutsamer als ein fehlen von Beschäftigungsmöglichkeiten. Hier herrsche weniger der viel beschworene "Mangel" als vielmehr hoher Bedarf. Dafür braucht es keinen Blick in die Glaskugel, ein Blick in die Auftragsbücher von Handwerkern und Industriebetrieben reicht schon.
Angelo Glashagel
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