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Sa, 11:15 Uhr
23.06.2018
Fußballplätze unter der Lupe

Zecken-Check auf Deutschlands Fußballplätzen

Die Weltmeisterschaft ist in vollem Schwung und ganz Deutschland ist im Fußballfieber. Doch auf dem Platz ist Vorsicht geboten, denn es wartet ein schwieriger Gegner: die Zecke. Eine bundesweite Fußballerhebung hat insgesamt 32 Fußballplätze auf Zecken untersucht...

Tabellenführer ist mit weitem Vorsprung NRW (193 Zecken auf 120 m²), gefolgt von Mecklenburg-Vorpommern (99 Zecken) und Schleswig-Holstein (88 Zecken), im Mittelfeld rangiert Hessen (45 Zecken). Schlusslicht der Untersuchung sind die Stadtstaaten Bremen und Berlin; hier wurden keine Zecken gefunden.

Zecken fühlen sich nicht nur im Wald, sondern auch in Stadtparks, privaten Gärten und auf Fußballplätzen heimisch. „Die Ergebnisse der Fußballerhebung verdeutlichen, dass sowohl an den Sportstätten als auch in näherer Umgebung der Fußballplätze Zecken in einer überraschend hohen Dichte auftreten können“, erklärt Zeckenexperte Prof. (a. D.) Dr. Jochen Süss.

Deutschlandweit gibt es rund 50.000 Sportplätze, davon sind viele von hohen Gräsern und Büschen umgeben. Und genau hier wartet die Zecke in Lauerstellung auf ihren Wirt. Denn entgegen dem Irrglauben, dass Zecken von Bäumen fallen, können die Parasiten maximal 1,5 Meter hoch klettern. Menschen streifen sie oft unbemerkt beim Vorbeigehen an Gräsern oder Büschen ab.

Zecken lauern überall

Bei den gefundenen Zecken der Untersuchung handelt es sich größtenteils um Zecken der Gattung Ixodes, der auch der Gemeine Holzbock (Ixodes ricinus) angehört. Diese Art ist die in Deutschland am häufigsten vorkommende Zeckenart und kann beim Stechen Krankheitserreger wie Borreliose-Bakterien und das Frühsommer-Meningoenzephalitis(FSME)-Virus übertragen. „Ein Zeckenstich kann jeden treffen, der sich gerne im Freien bewegt.

Auf Fußballplätzen sind daher nicht nur die Spieler selbst, sondern auch Besucher und Beschäftigte der Sportvereine, die den Fußballplatz pflegen, dem Risiko eines Zeckenstichs ausgesetzt. Die richtige Zeckenvorsorge ist daher unabdingbar“, erläutert Jochen Süss. Das FSME-Virus verbreitet sich in Deutschland immer weiter. Aktuell zählt das Robert Koch-Institut (RKI) insgesamt 156 FSME-Risikogebiete. Vor allem in Süddeutschland, Sachsen, Südhessen und Thüringen besteht ein Risiko für eine FSME-Infektion. Zudem gibt es einzelne FSME-Risikogebiete in Mittelhessen, im Saarland und in Rheinland-Pfalz. Aber auch außerhalb von FSME-Risikogebieten können Zecken das FSME-Virus aufweisen und bei einem Stich auf den Menschen übertragen.

Zecken-Check auf Deutschlands Fußballplätzen (Foto: Pfizer/zecken.de)
Foto: Pfizer/zecken.de

Richtige Zeckenvorsorge

Dass ein Zeckenstich nicht ganz ungefährlich ist, mussten bereits einige prominente Bundesligaspieler erfahren. Bei schwerwiegenden Krankheitsfällen kann das FSME-Virus die Hirnhaut und das zentrale Nervensystem des Menschen angreifen und schwere Langzeitfolgen wie Bewusstseins-, Sprach- und Schluckstörungen verursachen. Damit Zuschauer und Spieler das Fußballspiel sorgenfrei genießen können, sollten Zeckenstiche daher so gut es geht vermieden werden, z. B. durch folgende Vorsorgemaßnahmen: möglichst lange, helle Kleidung tragen, schützende Repellents aufsprühen sowie den Körper nach jeder Trainingseinheit oder einem Aufenthalt im Freien nach Zecken absuchen. Eine Impfung kann dazu beitragen, das Risiko einer FSME-Infektion nach einem Zeckenstich zu verringern. Lassen Sie sich von Ihrem Arzt zu einer FSME-Impfung beraten.

Methodik

Im Zeitraum vom 12.04.2018 bis zum 18.05.2018 wurden bundesweit 32 Fußballspielstätten pro Bundesland je zwei Spielstätten ­ untersucht. Zum Einsatz kam die klassische Flaggmethode, bei der ein Flanelltuch über die bodennahe Vegetation oder die Laubstreu gezogen wird. Aktive Zecken krallen sich bei Kontakt an der Unterseite der Flagge fest und können dann gezählt und gesammelt werden. Pro Fußballplatz wurden insgesamt 12 Flaggenzüge auf dem Fußballfeld und im engeren Umfeld des Fußballfeldes vorgenommen, so dass insgesamt 120 m² auf Zecken untersucht worden sind. Im Rahmen dieser Erhebung wurde lediglich die Anzahl der Zecken ausgewertet. Es wurde nicht untersucht, ob die gefundenen Zecken mit Krankheitserregern wie dem FSME-Virus oder Borrelien infiziert sind.
  • Sehr geringe Zeckendichte: 13 Zecken pro 100 m² (4 Fälle)
  • Geringe Zeckendichte: 410 Zecken pro 100 m² (6 Fälle)
  • Mäßig hohe Zeckendichte: 1124 Zecken pro 100 m² (7 Fälle)
  • Hohe Zeckendichte: 2550 Zecken pro 100 m² (9 Fälle)
  • Sehr hohe Zeckendichte: über 50 Zecken pro 100 m² (3 Fälle)
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